Wachliegen

Halb sechs Uhr morgens. Es beginnt grade hell zu werden. Ich liege wach. Zu früh, um aufzustehen. Halte ich die Augen geschlossen, bemüht wieder hinabzusinken in die friedliche Besinnungslosigkeit des Schlafes. Wachgehalten werde ich nur noch durch die Erinnerungen an lange Vergangenes, die durch das offene Fenster hereinschweben. Der Geruch eines neuen Tages. Die verschlafenen Geräusche, der ersten, die aufstehen müssen.

Und sie bringen, plastische, reale Erinnerungen mit. Das träge Gefühl des Aufstehens, die gedämpften Geräusche im Haus, den Kaffeegeruch, das Busfahren, der morgendliche Geruch in Schulen, in den sich das erwachende Leben mit Deo und Shampoo mischt, dazwischen im Kalten gerauchte Zigaretten und Kaffee.

Alles ruft die Sechs-Uhr-Luft wieder hervor, in meinem Kopf bin ich wieder Schülerin, in der Routine, die ich jetzt – nachträglich- liebe.

Ich liege wach und spiele einen Schulmorgen durch. Alles ist so real, als sei es gestern gewesen. Der Geruch von draußen, die Geräusche, die Müdigkeit lassen real werden, was seit über vier Jahren nur noch geliebte Erinerung ist.

So viel ist real, so wirklich, so wahrhaftig. Aber als ich in den Spiegel sehe, sehe ich mein heutiges Ich, das mich verschwörerisch anzwinkert. Es besucht das Gestern. Die Kulisse ist museumshaft erhalten, konserviert in meinem Kopf. Aber mein Ich, das darin wohnte, ist gestorben. Ich bin nicht sehr traurig darüber, stelle ich fest.

Als ich wieder einschlafe, weinen meine Augen nostalgisch, meine Lippen lächeln aber.

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