Jugendliebe und Eifersucht

Meine Jugendliebe, die ich noch immer regelmäßig treffe, die noch immer in meinem Kopf herumspuckt, die mich wohl niemals ganz verlässt, ist Karl May. Wie verbrachten viele innige Stunden miteinander.

Quelle: http://www.google.de/imgres?um=1&hl=de&client=firefox-a&sa=N&rls=org.mozilla:de:official&biw=1258&bih=889&tbm=isch&tbnid=fcinwlPZvfg1KM:&imgrefurl=http://www.fernsehen.ch/blog/archives/2065-Pierre-Brice-Happy-Birthday,-Winnetou!.html&docid=Q7a3dJoRfjcR5M&imgurl=http://www.fernsehen.ch/blog/uploads/071226_winnetou_05.jpg&w=372&h=486&ei=SFBrUKTVCJHEsgbLjYDwAg&zoom=1&iact=rc&dur=440&sig=110920447410036225538&page=1&tbnh=154&tbnw=120&start=0&ndsp=24&ved=1t:429,r:10,s:0,i:168&tx=64&ty=42

Eine Jugendliebe eben.

Ich liebe – oder liebte- die Sprache, elegant und einfach, ich liebte den allwissenden, alleskönnenden Ich-Erzähler und natürlich Winnetou. Die Erinnerung an die Tage, an denen meine Augen von Zeile zu Zeile huschten, gespannt, fast liebend, lässt auch heute noch –als der Zauber längst ein wenig verflogen ist- mein Herz höher schlagen, wenn ich nach den grünen, zerlesenen Bändern greife.

Als ich ein Jahr lang nur Karl May las, gab es niemanden, der die Bücher nur halb so enthusiastisch gelesen hätte. Karl May gehörte nur mir.

Natürlich blieb es bei dieser Begeisterung nicht aus, dass ich viel über Karl May las und über die Leser von Karl May. Unter all denen findet sich auch Adolf Hitler. Die Vorstellung, dass Hitler die Bücher gleichermaßen geliebt hat, gleichermaßen Wort für Wort  aufgesaugt hat, ekelt mich an.

Aber bei weiterer Reflexion darüber stellte ich fest, dass mich die – von Karl May losgelöste- Vorstellung, jemand anderes liest ein Buch, das ich gelesen habe, irritiert. Bücherlesen ist eine intime Sache. Bücher lesen, bedeutet eigene Träume lesen. (Jedenfalls bei guter Unterhaltungsliteratur.) Ich fühle mich ein in die Heldin\ den Held, ich leide, ist sterbe, ich fürchte, ich liebe mit ihnen. Intime Regungen. Und vielleicht ist es Eifersucht, wenn ich mir vorstelle, wie jemand anderes genauso liebt, hasst, leidet, wie ich es getan habe. Ich bin voller Eifersucht, dass die Figuren, die meine ganze Welt waren, meine ganze Liebe, nun die ganze Welt und Liebe von jemand andrem sind. Dass die Wörter, die mir etwas vorgesungen haben, nun jemand anderem etwas vorsingen. Und ich frage mich, ob es nur mir so geht. Und wen es so ist, dann, weil ich komisch bin, oder weil andre nicht darüber nachdenken.

(Natürlich empfehle ich Bücher trotzdem weiter.)

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