Was existiert?

Ich existiere. Daran besteht kein Zweifel. Ich fühle und zweifle. Mich hat jemand gedacht. Er gab mir eine Persönlichkeit und ein Leben. Ich bin echt. Ich gehe davon aus, dass meine Eltern und meine Freunde auch existieren. Sie alle haben liebenswerte Eigenheiten. Sie haben eine Vergangenheit. Zum Teil bin ich Teil davon, zum Teil haben sie davon erzählt. Sie existieren auch – im Sinne von sie sind komplexer Persönlichkeiten, die ein Leben haben.

Aber wenn ich Bus fahre und mir die Mitbusfahrer ansehe, frage ich mich, ob ich umgeben bin von Menschen, die Sorgen, Hoffnungen Ängste habe, oder nicht. Sind es vielleicht nur Statisten, die meine Welt ein bisschen spannender machen? Werden sie bluten, wen ich sie pieke?

Hat die höhere Macht sie auch gedacht?

Und das Problem ist, ich werde es nicht herausfinden. Wenn ich die Frau im Bus frage, ob sie eine Vergangenheit hat, ändere ich den Gang der Dinge. Die höhere Macht wird der Frau, ein Leben geben müssen, weil ich die Statistin ins Rampenlicht gezerrt habe. Aus der Randfigur wird eine Hauptfigur.

Wenn ich sie mir alle als komplexe Figuren vorstelle, die man nur fragen müsste, um das herauszufinden, bekomme ich Kopfschmerzen. Hinter jeder Maske des Fremden steckt ein Mensch, der einen Grund hat, im Bus zu sitzen, ein Ziel, in dem man ihn erwartet oder nicht erwartet.  Es ist, als wenn man sich die Unendlichkeit des Universums vorzustellen versucht.

Aber die Vorstellung umgeben zu sein, von leblosen Statisten macht mich auch nicht glücklich.

Wissen  Statisten, dass sie Statisten sind?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s