Pamphlet gegen Bildung

Geh zum Teufel, Bildung! Geh zum Teufel, ihr Bücher und Texte, ihr ungeschriebenen Arbeiten und ihr noch nicht bestandenen Prüfungen. Geht zum Teufel!

Ich bin euch leid. Ich möchte dumm sterben. Ein Traum, der heute da ist und morgen wieder weg. Aber heute ist er da. Keine Bildung mehr.

Wenn ich mit 25 mein Studium abschließen würde, hätte ich 20 Jahre damit zugebracht mich ununterbrochen zu bilden.

Ich bin müde. Ich möchte morgens aufstehen und Wohnungen streichen, einkaufen gehen, Geld verdienen, alles kopflos. Abend möchte ich lesen. Nichts Anspruchsvolles. Kein Satre, kein Jelinek. Nicht nur Lesen, weil es mir gut ansteht zu lesen. Weil gebildet Menschen so etwas tun. Ich möchte billige Unterhaltung lesen, ich möchte amerikanisches Fernsehen und nachts zufrieden schlafen.

Ich möchte keine Auseinandersetzung über Gut und Böse in überfüllten Seminarräumen. Ich möchte nicht mittippen was der  Dozent über die allgemeine politische Lage hält und wie sich das mit den Worten von Aristoteles deckt. Ich will mich nicht schuldig fühlen, dass meine Zeitungen ungelesen in der Wohnung herumliegen, mich nicht schuldig fühlen weil ich so selten Nachrichten sehe. Ich wünsche mir kurzen Stillstand. Pause. Schweigen.

Geh nachhause, hoch gelobte Bildung. Lass mir kurz den Tagtraum.

Gewöhnlich liebe ich das alles. Ich liebe das Nachdenken, ich liebe das Lesen, ich liebe das Erfahren und das stundenlange repetieren und reflektieren in endlosen Monologen. Ich liebe meine Zeitungen, ich liebe die Uni.

Aber heute nicht. Heute bin ich müde. Totgehetzt von den Prüfungen, den To Do Listen, den Leistungserwartungen, dem verdammten Leistungsdruck, der wie ein roter Schleier über den Tagen liegt. Ich bin die Deadlines leid, die Ermahnungen direkt und indirekt von außen und in meinem Kopf, die immer schreien: „Du machst zu wenig.“

Ich bin müde. Ich möchte meine Tage und Wochen nicht mehr auf meine Prüfungen ausrichten, mein Leben in Lernphasen gliedern. Ich träume den naiven Traum eines Kindes. Ich träume von einem Leben ohne Leistungsdruck und ohne Noten. Ich träume davon, dass der ununterbrochene Stress aufhört. Ich träume von Wochenenden, am denen ich morgens noch im Bett bleibe um zu lesen, ohne dass mein Arbeitszimmer nach mir brüllt. Ich träume davon, Energien für Neues zu haben.

Aber im Heute und jetzt ist es grau.

Immer mehr Kaffee. Immer weniger frische Luft. Nur noch große Müdigkeit.

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