In Wut und Prüfungsstress geschrieben

Ich bin unendlich wütend und unendlich enttäuscht.

Eine gute Uni wäre ein Ort, an dem man liest, sich über das Gelesene unterhält, mehr liest. Man ist eine Ansammlung von Menschen, mit ähnlichen Interessen und Ziele, die sich in einem gewissen Zeitraum nur damit zu beschäftigen, gebildet zu werden. Aber Bildung ist mehr als Wissen. Bildung ist die Fähigkeiten einen klugen Gedanken zu haben, ihn zu formulieren, ihn zu diskutieren. Damit am Ende Erkenntnis steht. An der Uni wird geredet, es wird diskutiert, aber alles eingeengt, eingesperrt in Regeln. Ich habe das Gefühl niemand fragt: Was denkst du darüber? Die Belesenen werfen mit Zitaten um sich, die nicht gut Belesenen schweigen und malen Kreise aufs Papier. Eine Diskussion dauert niemals länger als 90 Minuten. (Realistisch betrachte sind es 10 Minuten am Ende eines Seminars.) Das Thema wird nicht erneut aufgegriffen, keiner kümmert sich mehr darum. Ich komme nachhause und führe die Debatte in einem Monolog weiter, weil es mich aufgewühlt hat, und mir der Gesprächspartner fehlt.

Antworten werden in der Schulmanier gegeben. Jeder sagt

das, was er glaubt, dass der Dozent hören möchte. Und wenn es das falsche ist, lenkt man 180 Grad ein und widerspricht dem, was man noch gesagt hat.

Uni ist eine Ansammlung von Prüfungen und Leistungsnach

weisen. Man arbeitet sie Station für Station ab. Ich verbringe vier bis sechs Wochen in Gesellschaft von Terroristen, lese Bücher über Meinhof, wäge ab, schreibe, lese, denke. Sechs Wochen, dann schreibe ich alles auf, lese es Korrektur und gebe es ab. Keiner hat vorher mit mir das Thema diskutiert, niemand währenddessen und danach fragt auch keiner mehr darüber. Und ich möchte doch mehr als meine Meinung. Ich möchte wissen, was der Dozent zu dem Thema denkt, was die Kommilitonen denken. Aber es gibt eine Note: Zack. Abgehandelt. Keine Diskussion.

Das macht mich so wütend, dass ich heulen könnte. Wo ist da Erkenntnis?

Ich hasse die Prüfungsregelungen. Es sind zu viele Prüfungen. Sie töten alles ab: Motivation, Interesse für anderes und jede Kreativität. Studieren ist das Einlernen von Denkweisen und Schreibweisen und eine endlose Reproduktion.  Warum variiert man nicht, Hausarbeiten, Prüfungen, Diskussionen, Essays, Reden. Weniger Prüfungen und dafür mehr Abwechslung.  Warum müssen es immer und immer wieder Hausarbeiten sein, in denen wir das, was andere gesagt haben, vernetzen und das Wort „Ich“ niemals nennen.

Ich will ein Studium mit mehr „Ich“, mit mehr Meinungsbildung. Mehr Diskussion. Mehr Themen, die nicht eingestaubt sind. Ich wünsche mir eine Uni, die lebendiger ist. Dozenten, die mehr fragen, und Studenten, die nicht, von Prüfungen erdrückt, völlige desinteressiert sind

Mein Studium neigt sich einem Ende und ich sitze hier und bin heule vor Wut, weil ich endlich              realisiere, was das Bachelorsystem mit dem Studium gemacht hat. Ich heule vor Hilflosigkeit. Vor Enttäuschung. Weil ich die Uni verlassen werde, ohne dass Gefühl zu haben, das Beste daraus gemacht zu haben.

Und jetzt werde ich, während ich mir immer wieder resigniert über das Gesicht fahre, die Texte für das Seminar  lesen. Damit ich Inhaltfragen beantworten kann, dem Dozent die Antworten geben, die er vielleicht erwartet und in den letzten drei Minuten mich an einer Diskussion beteiligen, die aufhören wird, ehe sie angefangen hat. Aber was soll‘s, wer braucht eine eigene Meinung?

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