Trauer

Ich denke über das Sterben nach und über Trauer. In der Gesellschaft gibt es keinen Platz für Tod. Wir sind eingebunden in das Leben, eingebunden in das Tun. Innehalten, weil jemand gestorben ist, geht nur kurz, dann wird erwartet, dass man wieder funktioniert, dass es weiter geht. Traditionen, die sich mit dem Tod auseinander setzen, werden vernachlässigt. Trauerkleider, Beerdigungen, Gottesdienste. Was eine Weile gesellschaftlicher Zwang war, geht verloren, jeder kann tun und lassen wie er möchte. Ich denke das ist gut. Niemand kann von außen sagen, wie man trauern soll. Jeder macht das individuell, sitzt bewegungslos oder arbeitet viel. Aber andererseits bedauere ich, dass wir den Tod verdrängen, weil es keine Traditionen gibt, an denen man sich festhalten kann. Weil andere nicht wissen, wie mit Trauernden umgehen und weil die Erwartung da ist, dass man sich zusammen reist – entweder von außen herangetragen oder aus einem heraus. Weil Schweigen Schwäche ist, Selbstmitleid.

Für den Moment wünsche ich mir, dass der Tod in seiner unromantischen, facettenreichen Art mehr Teil des Alltags ist, nicht verdrängt wird.

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