„Seelenstreichler“ und eine provokante These

„Seelenstreichler“ nenne ich Filme oder Bücher, die weniger durch die Geschichte funktioniert, als über das, was sie mit dem Zuschauer macht. Auf die Gefahr hin viele böse Kommentare zu bekommen, möchte ich an dieser Stelle auf „Herr der Ringe“ zurückgreifen. Die Handlung ist banal. Es gibt einen „Bösen“ und es gibt die „Guten“, die versuchen in vielen epischen Schlachten das Böse zu vernichten. Ende der Handlung. Zumindest die Filme funktionieren durch die epischen Momente und als Zuschauer genießt man die Filme, weil sie „seelenstreicheln.“ Ein Zustand, indem man mit Helden mitfiebert, die letzendlich unbesiegbar sind. Man wird auf eine Reise mitgenommen, in der man nichts verlieren kann, weil die Verhältnisse klar sind.

Anderes funktioniert so auch: Karl May arbeitet nur über „Seelenstreicheln“, „Twilight“, „James Bond“ und die meisten „Superhelden“-Geschichten wie „Spiderman“ und „Batman“ auch. (Besonders in Reihen muss man einschränken. Ich habe keinen Überblick über alle James-Bond-Filme und bei Batman hat zumindest „The dark knight“ wenig „seelenstreichlerisches“ an sich.)

Es wird gekämpft und gelitten und gestorben, aber nur ästhetisch, nur in Slow Motion. Man selbst bleibt unberührt, weil es episch und schön ist.  Das Sterben in solchen Filmen und Büchern hat nichts mit dem echten Sterben zu tun. Genauso wenig das Leiden. Die Figuren werden nie klein, nie gedemütigt. Sie sind in ihrem Schwachzustand des Leidens und Sterbens größer und schöner als zuvor.

Meine These lautet: Diese Geschichten arbeiten mit Extremen. Sehr mächtige Figuren geraten in große Machtlosigkeit aus der sie meistens wieder entfliehen und wieder sehr mächtig sind. (Wenn man die guten Geschichten durchgeht, wird man immer einen Moment der Schwäche finden. – Bibel inklusive ;)). Dabei ist wichtig, dass sie selbst im Moment der Schwäche Stärke zeigen, sie knicken nicht ein, sie verraten nicht. Die Situationen selbst sind auch Extremsituationen. Es geht nicht um den Bau einer neuen Autobahn, es geht um die Vernichtung der Welt. Der Schwächemoment ist nicht ein gezogener Zahn sondern direkt Folter oder Mordandrohung.

Neben dem Epischen gibt es auch die „Lovestorys“. In den meisten Fällen wird da niemand gefoltert. Aber auch hier geht es um Extremzustände. Es geht um das absolute Glück oder Unglück. Es geht um sehr arm und sehr reich, sehr angesehen und völlig unbedeutend.

Abschließend würde die These lauten: Extreme und die Gestaltung von Gewalt sind ausschlaggebend, ob man es mit einem „Seelenstreichler“ zu tun hat, oder mit einem Film, der einem die eigene Sterblichkeit vor Augen führt.

Das würde implizieren, dass es „Sterblichkeitsfilme“ gibt und „Seelenstreichler.“  Ich würde das fast so stehen lassen, mit der Einschränkung, dass es auch „Kunst“ gibt. „Hamlet“ beispielsweise funktioniert über die Sprache und nicht über „Seelenstreichlereien“, konfrontiert einen aber auch nict mit Sterblichkeit.

Es gibt ohne Frage Mischformen. Manche Seifenopern neigen dazu, wenn die „Seelenstreichlereien“ nicht mehr für Unterhaltung sorgen, weil jeder mal mit jedem geschlafen hat,  zur „Sterblichkeitsserie“ zu mutieren. (Lieblingsbeispiel: Grey’s Anatomy. Wenn ich Trauerbewältigung betreiben möchte, schaue ich mir doch keine Seifenoper an. Wenn ich mir etwas ansehe, in dem es um Liebe gehen sollte, möchte ich Seelenstreicheleinheiten…) Bei Manchen führt das zu Irritationen, bei anderem funktioniert es: Game of thrones zum Beispiel. Aber die ursprüngliche Herkunft ist immer zu erkennen.

Ich werde diese These hier mal provokativ stehen lassen…

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