Das letzte Aufbäumen meiner Jugend

Ich bin mir der Zauberhaftigkeit des Tages bewußt. Mitte 20 fühlt sich gut an. Mein Studium hat mich konserviert. Ich bin ein Kind im Körper einer Erwachsenen. Das merke ich, wenn ich mit den Müttern meiner Nachhilfekinder zu tun habe, die nur wenige Jahre älter sind, aber reifer und erwachsener wirken. Ich bin noch Träumer, noch Tänzer. Voller idealer Vorstellungen, wie die Welt zu sein hat, noch voller Vorstellungen, was aus mir werden könnte, voller Energie Wände einzureißen. Aber anders als früher. Mit sechszehn hatte die Welt krasse Farben und ich Lugen voller Luft, um „dagegen!“ zu sein. Heute gerate ich schneller außer Puste. Aber ich bin noch Träumer, der zu zu lauter Musik durch die Wohnung tanzt. Ich kann noch die Augen schließen und mir Farben vorstellen, auch wenn ich ahne, dass sie weiter verblassen werden.

Aber das ist okay, denke ich. Man kann nicht ein Leben lang Mauern einreißen und Farbe versprühen. Irgendwann muss man aufbauen, muss ernsthaft malen.

„Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand!“

Alles muss sich ändern und ich kann das akzeptieren.  Ich sehe, dass ich Dinge ernsthafter betreibe. Dass ich manches nicht mehr tue, weil mir meine Energien zu schade sind. Weil ich es, gefestigt in mir, nicht mehr nötig habe.

Ich trauere nicht um das, was ich Tag für Tag rechts und links liegen lasse an Splittern meiner Jugend. Ich freue mich über das Neue, das Erwachsene, was ich aufsammele. Aber trotzdem genieße ich dieses letzte Aufbäumen meiner Jugend.

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