Gedanken zu Shakespeare im Film

Als ich mit 15 oder 16 Luhrmanns „Romeo und Julia“ sah, war es um mich geschehen. Seither gehört Shakespeare mit zu meinen liebsten Autoren. Im Zuge dieser Verehrung habe ich die ein oder anderer Verfilmung gesehen. Selbstverständlich kam ich nicht an den Verfilmungen von Kenneth Branagh vorbei, der eine ganze Menge verfilmt hat und den ich für fähig hielt, bis ich auf die Hamlet Verfilmung mit David Tennant gestoßen bin. Ich liebe Sprache und Sprachmelodien. Daher habe ich mich bei keiner der Verfilmungen gelangweilt. Die Sprache von Shakespeare ist einfach wunderbar. Aber ich habe mir sowohl die „Hamlet“-Verfilmung von Kenneth Branagh als auch die mit David Tennant angesehen. Zuerst die mit Tennant und das erste Mal transportierte jemand Emotionen, während er shakespearisch gesprochen hat. Die Kostüme und Kulissen sind ausgesprochen schlicht. Aber man merkt, dass das Stück oft aufgeführt wurde, dass die Schauspieler mit den Rollen gearbeitet haben. Die Kameraeinstellungen unterstützen die Laufwege, die Mimik. Die Kamera ist der optimale Zuschauer. Ihm wird nichts geboten als Theater um ihn herum. Theatersprache, Theaterspiel.

Kenneth Branagh nutzt wundervolle Kulissen und Kostüme, aber es werden keine Gefülhle transportiert. Der Text steht für sich. Die Kameraeinstellungen sind langweilig.

Man kann Shakespeare nicht abfilmen. Filme arbeiten über Bilder über schnelle Schnitte, über Musik. Die Verfilmung mit David Tennant funktioniert, weil die Mittel der Bühne genommen werden, Laufwege, Verzweiflung, Pausen im Text, und sie durch die Kameraführung und die Schnitte  unterstützt werden. Es gibt kaum Musik, kaum atemberaubende Bilder.

Luhrmanns Verfilmung funktioniert, weil die Fimsprache auf Biegen und Brechen und gegen jeden Widerstand dem Text übergestülpt wird. Der gehobene, edle Text wird aus dem Kontext entrissen und hinein gepresst in eine Welt der schnellen Schnitte, der Musik, der Großstadt. Wie bei guten Buchverfilmung wird das Ursprungsmedium verlassen und das neue Medium genutzt, mit allem was es hergibt.

Das macht die Verfilmungen von Kenneth Branagh langweilig. Und die anderen, weniger namhaften, übrigens auch. Sie versuchen die Erhabenheit der Bühne zu erhalten, ohne die Möglichkeiten der Bühne zu nutzen, keine Laufwege, keine Pausen, keine ausgeprägte Mimik. Sie versuchen einen Film zu machen, ohne die Möglichkeiten auszuschöpfen. Übrig bleibt ein Zwidderwesen, das zwischen den Stühlen, völlig charmelos bleibt.

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