Das Leben als Sammelkarte

Wir sind wie Sammelkarten und jeder Tag ist ein Stempel, der sich unauslösbar in unsere Haut brennt. Nichts geht jemals wieder entgültig weg. Nichts kann man ungeschehnbar machen. Jede Demütigung, jeder Schmerz, jede Enttäuschung sitzt tief in uns und lässt uns sein, was wir sind. Aber auch jedes, Lachen, jede Liebe, jede Aufmunterung kann man nicht mehr wegnehmen. Im Frühjahr ist meine Oma verstorben. Aber sie hat mich gestempelt, über Jahre hinweg sich in meine Haut und mein Denken geprägt. Ich kann mich nicht ansehen, ohne sie zu sehen. Ich weiß, was sie gesagt, getan hätte. Aber ich erkenne sie auch in mir. Ich höre ihre Stimme in meiner, ihre Wortwahl in meinen Wörtern. Es fühlt sich nicht an, als sei sie weg oder könnte je weg sein, weil sie so fest eingebrannt ist und ich dieses geliebte Bild weitertrage und andere Leben mit ihren Worten, ihren Gedanken präge.

Der Gedanke, dass wir immer geprägt sind von jedem einzelnen Tag, jedem Wort, jeder Geste, finde ich schön und erschreckend. Weil es einerseits heißt, dass jede Verletzung, jede Angst für immer bleibt.  Wir können nur lernen damit umzugehen. Anderseits aber auch, dass niemand wirklich sterben kann, niemand kann wirklich weggehen und jedes jemals gegebene Geschenk bleibt für immer.

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