Love ist all around you… – Gedanken zur Liebe

Kürzlich kamen mir eine Mutter mit ihrem fünfjährigen Kind entgegen. Das Kind war am Quengeln und wurde von der Mutter, die es an der Hand hielt, mehr oder minder hinter sich hergezogen. Offensichtlich wollte das Kind irgendetwas haben, was die Mutter ihm nicht geben wollte.  Das Kind rief immer wieder: „Bitte!“ Die Mutter  erwiderte: „Wie oft habe ich gestern ‚Bitte‘ gesagt? Und hast du da gehört?“

Letzendlich, dachte ich, praktiziert die Mutter Liebesentzug.

Eine typische Art der Erziehung. Die Mutter oder der Vater belohnt gutes Betragen durch Liebesbezeugungen und bestraft durch Liebesentzug. Das ist hart!, dachte ich kurz. Dann musste ich aber einräumen, dass alle menschliche Interaktion, solange sie nicht völlig zweckgebunden ist (wie beispielsweise in Arbeitsverhältnissen) sich durch Liebesbezeugung oder Entzug definiert. Wenn ich auf jemanden wütend bin, entziehe ich – bis zur Versöhnung – jede Zuneigungsbekundung und hoffe, dass der andere sich dardurch schlecht fühlt. Wenn ich jemandem einen Gefallen tue, ist das ein Liebesbeweis. Ich stelle sein Wohl über mein eigenes. Ich schenke ihm Zeit und Energien, die ich für mich hätte nutzen können.

Jede Interaktion ist geprägt von Liebesbekundungen oder Liebesentzug. Die Innigkeit von Beziehungen lassen sich daran messen, wie stark ich jemanden auf diese Weise beeinflusse, oder mich beeinflussen lasse. Wie weit ich bereit bin, in Extremen zu agieren. Liebe fasziniert mich. Ich glaube nicht an die Große Liebe, nicht an glitzernde Zauberei aus Disneyfilmen. Ich kann Liebe nicht fassen. Ich denke, weil sie so zweckfrei ist. Bewunderung kann ich fassen, Neid, Eifersucht. Das sind Gefühle, die Ursachen haben, die ich fassen kann. Es geht um Selbstbild, um Besitzt, um Leistung. Aber Liebe ist etwas, das da ist, ohne dass man erklären kann wieso. Eltern lieben ihre Kinder unabhängig von dem, was die Kinder leisten. Sie lieben ihre Kinder, trotz Charakterschwächen, fehlenden Erfolge. Geschwister können einander lieben, obwohl man einander nicht ausgesucht hat, und immer schon konkurrierte. Man liebt Freunde und den Menschen, den man vielleicht irgendwann heiratet. Und natürlich, wenn man mich fragt, kann ich aufzählen, warum ich Eltern, Freunde, Geschwister liebe. Es sind tolle Menschen, ohne Frage. Aber es gibt eine Menge anderer toller Menschen, die ich nicht liebe. Warum also diese?

Ich musste an dieser Stelle an den „kleinen Prinzen“ denken. In der Unterhaltung mit dem Fuchs, sagt der Fuchs, dass er gezähmt werden möchte. „Gezähmt werden“ bedeutet „sich vertraut machen“.

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast., sagt der Fuchs.

Vielleicht suchen wir uns Menschen aus, die wir „uns vertraut“ machen. Deshalb sind es diese Menschen und keine anderen, weil man sich lange kennt. (Aber nach irgendeinem Prinzip suchen wir uns Leute aus, die wir uns vertraut machen. Irgendwann wissen wir, ob es ein Mensch fürs Leben ist, oder nur für jetzt.)

Das wunderbare am Lieben ist, dass es so selbstlos sein kann und dabei so unkontrollierbar ist. Es gibt Menschen, die ich mehr lieben möchte und es nicht kann. Und es gibt sicher Menschen, die ich – manchmal zumindest – weniger lieben möchte. Aber es geht nicht. Liebe lässt sich nicht kontrollieren, nicht fassen. nur beschreiben.

Liebe bedeutet Verantwortung für denjenigen zu übernehmen. Deshalb bleibt man auch, wenn es grade schwierig ist.

Liebe ist die Bereitschaft in vielen kleinen Dingen Opfer zu bringen. Ich denke manchmal, es sind die kleinen Gesten, die Liebesbeweise sind. Ich vermute, die Anzahl derer, denen ich eine Niere spenden würde, um das Leben desjenigen zu retten, ist weitaus größer als die Anzahl derer, mit denen ich zusammen wohnen könnte. Es sind nur wenige, deren dreckige Socken mich nicht nerven, die ich mögen kann, owohl sie schlechte Angewohnheiten haben, die ich nicht habe, deren leere Zanpastatuben ich wegschmeiße, für die ich den Müll runterbringe.  Viele kleine Liebesbeweise, die ich für nur ganz wenige bringen würde.

Geliebt werden bedeutet wohl, dass mir das Spiegelbild meiner Selbst in meinem gegenüber gefällt. Dass der andere mir das Gefühl gibt, lustig, klug, charmant etc. zu sein.

Das beeinflust unser Leben. Die eine Hälfte all meiner gefällten Entscheidungen ist völlig egoistisch. Dabei geht es mir nur um mich. Die andere Hälfte ist bedingt durch Liebe, die ich gebe oder nicht gebe, haben oder nicht haben möchte. Wenn ich darüber nachdenke, welche Unterhaltungen ich in letzter Zeit geführt habe: die meisten verhandelten Liebe, die geben oder nicht geben, die ich empfange oder eben nicht.

Ich finde es wunderbar und erschreckend, wie etwas so unfassbares so viel von unserem Leben beeinflusst.

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