Geschichten aus dem Abseits

Gestern habe ich „Gilpert Grape“ gesehen. Nicht zum ersten Mal. Aber zum ersten Mal seit Langem. Der Film aus den frühen Neunzigern erschien mir nicht alt, als ich ihn zuletzt gesehen habe, auch wenn er damals sicher auch schon alt war. Aber das Gefühl einen „Klassiker“ zu sehen, der in einer Zeit spielt, die längst versunken ist, ist neu. Ich mag den Film, wie ich „Benny und Joon“ mag, der ebenfalls inzwischen in einer fremden Zeit spielt. Beide Filme sind mit Johnny Depp, wie sich trefflich bemerken lässt, aber das ist nicht der Grund, wieso  mich beide Filme faszinieren. Mich fasziniert das Leben neben dem Normalen. Die Schönheit des Abseits. Mein erstes Stück, das ich inszeniert habe, war Koffkas „Kain“. Kain, der am Ende seinen Bruder Abel erschlägt. Von beiden Brüdern habe ich von Beginn an die Figur des Kain geliebt. Das ist so geblieben. Ich erzähle Geschichten über Personen im Abseits und ich liebe Geschichten über solche Menschen, wenn der Autor, der Regisseur, der Schauspieler, sie nur geliebt haben.

Aus diesem Grund gehört John Irving zu meinen Lieblingsautoren. Er schreibt immer über das Abseits. Seine Figuren sind anders und dadurch liebenswert. Ich habe grade eine neuerliche Reise durch „Hotel New Hampshire“ beendet und bin noch ganz erfüllt von den Figuren, die ohne Frage im Abseits stehen, manche sogar im abseits des abseits und dort eine ungeheure Stärke entwickeln.

Das machen Figuren aus dem Abseits, sie entwickeln Stärke, die nur der Erzähler, sei es der Autor oder die Kamera, ihnen entlocken kann und oft geht es mit einer großen Lebensbejahung einher.

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