Toleranz durch Fernsehen und Bücher

Das Leben ist im Umbruch. Meine Wohnung hat sich eine Landschaft aus Umzugskisten verwandelt. Im Dunklen erkenne es die Silhouette von New York in klein, Wolkenkratzer aus Kisten und Teekannen erheben sich aus tiefen Schluchten, in denen keinen Kisten stehen stehen, damit ich noch durch das Zimmer komme. Es fehlt nur noch eine Miniausgabe eines King Kongs, der sich von Kistenhochhaus zu Kistenhochhaus hangelt, das Radio erklimmt, das mich seit fast zwanzig Jahren begleitet und auf dem höchsten Punkt dieser abenteuerlichen Landschaft zu brüllen beginnt, über Bildern, Kisten, Ventilatoren, die nur darauf warten, verladen zu werden.

Es gab viel zu tun in den letzen Monaten, viele neue Eindrücke, aber keine Zeit und keinen Nerv es aufzuschreiben. Von daher wird dies hier vermutlich ein Beitrag mit vielen Gedanken und keinem roten Faden. Mal sehen, ich werde mich bemühen einen Erzählstrang zu finden, der Gedanken an Gedanke logisch aneinander reiht.

Als Einleitung nutze ich den Tod von Pierre Brice. Das erscheint mir ein guter Einstieg.

WINNETOU III (BRD, Jug., 65) Pierre Brice, Lex Barker / Karl May / Western (Winnetou 3)
WINNETOU III (BRD, Jug., 65) Pierre Brice, Lex Barker / Karl May / Western (Winnetou 3)

Also:

Pierre Brice ist tot. Das ist der Schauspieler, der Winnetou in den 60ern gespielt hat und ich befinde mich nun in Trauer. Das heißt, nicht richtig. Ich bin aus dem Groupie – Alter rausgewachsen. Aber ich sage augenzwinkert, dass ich in Trauer bin. Winnetou war in meiner Jugend mein Mentor, mein Idol. Inzwischen bin ich alt genug um Schauspieler und Rolle zu trennen. Der Verstand kann das ganz klar trennen. Aber dennoch hat mein Winnetou das Gesicht von Pierre Brice. (Auch wenn das nicht das Gesicht ist, das Karl May beschrieben hat. ) Und es war Pierre Brice, den ich angehimmelt habe, wie es nur Jugendliche können.

Der Tod brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was Idole für Jugendliche sind. Wie es sich anfühlt, jugendlich zu sein. Aus dem Abstand von fast zehn Jahren. Mein jugendliches Ich würde dem jetzt natürlich widersprechen. Das ist so die Art von Jugendlichen. Aber ich vermute, dass es tatsächlich  Winnetou war, der mir, als ich hilflos zwischen den Wogen des Erwachsenwerdens hin und hergeworfen wurde, half mich zu orientieren. Karl May macht es einem sehr einfach. Er ist der „Lehrer seiner Leser“. Aber wenn man jung genug ist, merkt man nicht, was für eine naive, kindliche Weltsicht er predigt. Ich erinnere mich, dass ich mich gefreut habe, dass mir jemand die Welt erklärt. Als Jugendlicher möchte man nur wissen, wie die Welt funktioniert und man sucht sich Idole und Vorbilder.

Man sollte im Unterricht viel mehr auf die Idole der Jugendlichen eingehen und darüber sprechen, wer beeindruckt und wieso. Wir haben das so gut wie garnicht gemacht. Aber ich weiß, wie ich mich zu orientieren versuchte, wer ich sein möchte und was ich tun möchte. Ich orientierte mich an an dem, was mich umgab: fiktive Figuren aus Film und Buch. Aber das ist ja nichts Schlechtes. Vorbilder sind immer idealisiert und keine Figur ist so idealisiert wie eine fiktive Figur.

Ich denke, dass Jugendliche viel von Erzählungen geprägt werden. Denn auch das Leben eines Schauspielers ist eine Erzählung. Keiner kennt alle Facetten des Lebens von Julia Roberts. Nur Julia Roberts. Aber auch das Leben meiner Mutter ist für mich nur eine Erzählung, weil ich nicht alles kenne. Sie wird in meinem Kopf zu einem Menschen mit weniger Facetten als sie hat, weil ich sie nicht rund um die Uhr kenne.

Also Jugendliche werden von Erzählungen geprägt.

Aber Erwachsene auch. Weniger als doe Heranwachsenden, weil wir in uns gefestigter sind und wissen, was wir gut und was wir schlecht finden. Aber wir finden nur das gut, das wir kennen.

Neuer Gedanke, neuer Absatz.url

Ich schaue „Grey’s Anatomy“ und bei allem, was sich an dieser Serie kritisieren lässt, fällt mir positiv auf, dass es viele Frauen gibt, die Chirugen sind.  Mein erster Eindruck war: wie unrealistisch, dass es in diesem Krankenhaus so viele Frauen in wichtigen Positionen gibt. Aber dann kam mir, darum geht es. Es muss nicht realistisch sein. Aber wünschenswert.

Ich bin überzeugt, dass Frauen alle Berufe wie Männer machen können.  Aber es gibt unterbewusste Lernprozesse. Wenn mich immer Männer behandeln, ich im Krankenhaus nur männlichen Chirugen begegne, es Männer sind, die weiterempfohlen werden, dann werde ich skeptisch, wenn sich eine Frau hinstellt und sagt: „Ich operiere Sie jetzt.“

In „Grey’s Anatomy“ werden diese Vorurteile abgebaut. Ich weiß: das ist fiktiv. Ich weiß, so sieht die Realität nicht aus. Aber ich sehe Frauen, die operieren und Leben retten und plötzlich kommt mir es ganz natürlich vor, dass Frauen operieren. Filme (und natürlich auch Bücher) können Vorurteile abbauen. Denn auch wenn Erziehung nicht mehr das oberste Ziel ist und auch wenn es viel subtiler ist als in der Aufklärung, so freunden wir und doch mit den Figuren an, machen Sie manchmal unbemerkt zu unserer Familie. Wenn wir genug Zeit mit ihnen zubringen können Sie für uns realer werden, als unsere Nachbarn.

In „Grey’s Anatomy“ werden so Vorurteile gegen weibliche Chirugen abgebaut, aber auch gegen Homosexuelle und Transsexuelle, die überdurchschnittlich auftauchen und immer positiv dargestellt werden.

Natürlich ist die Macherin von „Grey’s Anatomy“ nicht die erste, die sichdurch eine Serie für Toleranz und so einsetzt. Gene Roddenberry hat das mit seinem „Star Trek“-Universum vielseitig vorgemacht. Aber als eingeschworener Star-Trek-Fan habe ich es bei Star Trek erwartet. Dass Serien grundsätzlich auch mit flachen Geschichten positiv prägen, war dagegen eine neue Erkenntnis.url2

Aber das machte mir die Serie „Orphan Black“, die ich auf jeden Fal empfehlen würde, schon wegen der grandiosen Hauptdarstellerin, noch symphatischer. Die Hauptfigur hat einen schwulen Bruder, der durch und durch eine positive Figur ist. Schwule hat man im Fernsehen gesehen. Aber jemand der so feminin schwul ist, wie Felix ohne zu einer Witzfigur zu verkommen, ich kann mich nicht erinnern so etwas gesehen zu haben. Ich finde das gut!

Ich finde Serien und Filme sollten darauf ausgelegt sei, Vorurteile abzubauen. Dass es dann Filmclips gibt wie diesen hier:

finde ich schrecklich!

(Ich werde nicht mehr dazu schreiben. Sonst rege ich mich furchtbar auf und benutze böse Wörter 😉 )

Da ich grade dabei bin, würde ich hier Werbung für diese Unterschriftenaktion machen:

 

https://www.campact.de/gleichstellung/appell/teihttps://www.campact.de/gleichstellung/appell/teilnehmen/?utm_term=inside-flow&utm_medium=recommendation&utm_campaign=%2Fgleichstellung%2Fappell&utm_source=rec-fb&utm_content=random-alnehmen/?utm_term=inside-flow&utm_medium=recommendation&utm_campaign=%2Fgleichstellung%2Fappell&utm_source=rec-fb&utm_content=random-a

 

So etwas mache ich eigentlich garnicht. Aber in diesem Fall bin ich mehr oder weniger persönlich betroffen und habe jemandem versprochen, dass ich ganz viel Werbung mache. 😉

Das war es jetzt für heute. Ich peppe das alles jetzt noch mit Bildern  auf, damit es nicht nur ein furchtbar langer Beitrag ist. 🙂

Vielen Dank, falls du bis hierhin gelesen hast und bis bald!

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Ein Gedanke zu “Toleranz durch Fernsehen und Bücher

  1. Sehr schöner Beitrag! Ich finde es auch immer toll, wenn in Serien/Filmen/Büchern all diese Sachen positiv und natürlich gezeigt werden, so wie es sein sollte. Orphan Black muss ich auch unbedingt mal schauen. Die Aktion hatte ich sogar schon unterschrieben. 😉

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