Rückkehr in die Heimat, die mir fremd geworden ist, obwohl sich nichts verändert hat

Ich möchte dieses Gefühl festhalten, solange es noch da ist. So viel Gefühl und Gedanken sind mir in letzer Zeit durch meine schweigenden Hände geflossen ins unwiderbringliche Vergessen. Kein Blog beitrag, weil es Stoff fürs Tagebuch war, aber auich das Tagebuch liegt ungeöffnet in einer Umzugskiste. An diese Epüoche meines Lebens werde ich mich nur erinnern können und es wird mir fremd werden. Unkonserviert in meinem Erinnern verblaßen und vergehen.

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen in einer sehr kleinen Welt. Mit achzehn packte ich meine Sachen zusammen und zog für das Studium in die Stadt. 200 Kilometer weit weg. Mein Herz blieb zuhause. Dort singt das Land zu mir, schrieb ich in mein Tagebuch als ich melancholisch in einem Zug saß, der mich wieder zurück in die Stadt fuhr. Es ist still hier. Hin und wieder kommt ein Traktpor vorbei, die Vögel sind den ganzen Tag das lauteste, das man hört. Man grüßt sich auf der Straße, weil jeder jeden kennt und man es sich nicht leisten kann, es sich ernsthaft miteinander zu verderben. In dem Teil des Dorfes, in dem meine Eltern wohnen, leben viele alte Leute und ich habe das Gefühl die Erinnerungen an den Krieg und die Armut sitzt in den Häusern, in der Straße. Es ist nicht bedrückend. Die Häuser sind schön, keiner hungert. Aber ich habe das Gefühl, dass sich hier Erinnerungen besser halten als anderorts. Vielleicht weil man mehr miteinander spricht. Man steht auf der Straße und unterhält sich. Auf kleinem Raum ist das Leben generationsübergreifend.

Ich war fort. Jetzt kehre ich zurück. Mit Kisten und Ikeamöbel. Von meiner Stadtwohnung ist Ikea das nähste Möbelhaus überhaupt. Hier aber fährt man dreißig oder vierzig Minuten bis zum nächsten Ikea. Hier halten sich noch kleine Möbelhäuser. Ich komme wieder mit meinen Lebensgewohnheiten der Stadt und stelle fest, wie anders alles geworden ist, während sich nichts verändert hat. Aber das ist nicht nur das Dorf, das ist vermutlich die Irritation bei jeder Art von Rückkehr.

Ich bin hier aufgewachsen, ich kenne das Dörfliche hier. Aber als Kind war es Normalität. Jetzt aber merke ich wie langsam das Internet ist, dass der nächste Laden zehn Minuten mit dem Auto entfernt ist, ich kenne zu vielen Familien viele Geschichten, grüße alle. Man kan nur schwer einen Bogen umeinander machen.

Ich bin herausgerissen aus der Anonymität meines Stadt-Lebens. Hier kennt mich jeder, kennt meine Eltern und Geschwister hat vermutlich auch mit meinen Großeltern gesprochen. Ich habe Geschichte, die ich nicht leugnen kann.

Nachdem ich sieben Jahre davon geträumt habe zurück zu kehren, frage ich mich nun, ob ich es hier aushalten werde. Ob ich mit Dorffesten leben kann, mit dem nächsten Theater eine Dreiviertelstunde Autofahrt.

Andererseits glaube ich, dass ich, wenn der Umzug fertig ist, wieder das Lied des Landes höre. Ich hoffe wieder mehr zu schreiben und zu lesen. Das Leben zu fühlen.

Ich habe die Fenster offen und höre  Vögel, keinen Autolärm und atme reine Luft und ruhe in mir.

 

 

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