„Must-Have“ – echt jetzt???

Lieber Blog! Solange nichts mehr geschrieben, öffne ich dich, der sich vielleicht bereits für tot hielt, erneut. Reaktiviere das, was mal war. Neues Jahr. Neues Leben. Atme ich ein und aus, ein und aus. Und im Neu-Sein entdecke ich das Alte wieder. Von daher sehr passend, mich über Konsum und Werbung aufzuregen, was mal großes Thema in meinem Kopf war und dann verloren ging in der Kunst, im Umzug in dem neuen Studium.

Fahre ich Bus, komme ich an Geschäften vorbei, wirbt eines, dass es die „Must-Have“’s einer Frau hat. „Aha“, denke ich.Wenn ich ein Mensch wäre, der Geld hat, und nicht so pragmatisch in seiner Kleiderwahl ist, wäre, wie ich es bin, würde ich mir dann diese Kleider kaufen?  Dieses „Must-Have“?

Was soll dieser Anglizismus an dieser Stelle, denke ich, noch geht mein Puls sehr ruhig. Ich dümple in meinen Gedankenwelten. „Must-Have“ ein „Haben-Muss“. Wie interessant. Dass es Kleider gibt, die man haben muss. Mir fällt die Lederjacke ein, die ich im Herbst, als es eigentlich schon wieder zu spät war für solche Jacken, haben „musste“. Ich habe eine halbe Woche von nichts anderem gesprochen, als dass ich diese Jacke möchte und als ich sie endlich hatte, nochmal eine halbe Woche nur diese Jacke als Gesprächsthema gehabt. (Dann wurde es kalt, jetzt hängt sie im Schrank und wartet auf den Frühling…) Dann gibt es den Rucksack, den ich auch haben „musste“.

Was heißt eigentlich haben „müssen.“ Heißt „Müssen“ nicht, dass es nicht tun das Leben unangenehm beeinflusst? Zum Beispiel muss ich etwas für das Studium tun,wenn ich das nicht tue, könnte das unangenehme Folgen haben. Musste ich den Rucksack haben? Zumindest habe ich das geglaubt. Aber woher weiß man noch was man haben muss? Ist die Welt nicht voll davon, dass einem gesagt wird, welche „Must-Have“s es gibt? In einer Stadt in der ich kürzlich war, haben sie ein riesiges Einkaufszentrum gekauft, das die Stadt sicherlich nicht braucht, weil die Stadt bereits eines hat. In diesem neuen Zentrum gibt es hauptsächlich Dinge, die man ganz selten braucht. Was die Stadt gebraucht hätte, wäre ein Schwimmbad gewesen oder ein Park.

Geht man durch so Einkaufszonen gibt es eine Menge Zeug, dass man, laut der Werbung, haben muss: ein neues Handy, ein teures Duschgel, die neue Sommermode, eine neue Frisur, beste Schokolade. Alleine wenn es heißt: „Bei diesem Handyvertrag gibt es das neue Smartphone Dingsbums dazu“, signalisiert es mir doch, dass es egal ist, ob mein Handy es noch tut, ein neues Handy ist immer besser.

Ich mag es, dass es Geschäfte gibt. Dass ich nicht den Liter Milch bei Heinz Müller und die Zahnpasta bei Peter Hinz kaufen muss. Sondern an einer Stelle alles bekomme. In der Hinsicht habe ich auch nichts gegen Einkaufszentren, weil ich Einkaufen so hasse, dass ich es gut finde, dass es sich schnell erledigen lässt. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Geschäfte nicht mehr für mich existieren, sondern ich für die Geschäfte. Dass ich der Illusion so viel haben zu müssen überwältigt werde, denn was sind die einzigen beides „Must Have“ des Lebens? Wasser und Brot. (Hin und wieder vielleicht eine Orange, um nicht krank zu werden. :P)

Manches andere ist wundervoll zu haben. Mein Rucksack über den ich mich jedes Mal freue, wenn ich ihn sehe. Aber er ist kein „Must-Have“. Er ist purer Luxus, den ich mir glücklicherweise leisten kann.

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Ein Gedanke zu “„Must-Have“ – echt jetzt???

  1. Ein paar schöne Gedanken zu diesem Thema sind das.
    Ich reduziere nun schon seit einer Weile Dinge, ich habe kürzlich meinen halben Hausstand verschenkt, und ich fühle mich herrlich damit. 🙂
    Viele Grüße
    Meike

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