Erste Spuren?

Das Gesicht im Spiegel lacht. Ich sehe es an. Es scheint mir herzlicher als früher zu sein. Ich gehe näher heran und mustere alles Unebenheiten, wie das Frauen sicher besser können als Männer. Beobachte alle Unsymetrieheiten, als hoffte ich, dass sie sich verflüchtigt haben könnten. Betrachte die Mitesser, die mich ärgern und die verheilenden Pickel, die über die Jahre zum Glück weniger geworden sind. Womöglich betrachte ich mich auch im Profil, mit dem neuen Spiegel geht das und voller Interesse mustere ich mein Profil.

Nach längerem Betrachten finde ich endlich, was andrs geworden ist. Meine Augen. Noch ist das eine einen Tick größer als das andere. Noch immer sind sie hellgrün mit kleinen Pupillen. Vogelaugen, wie ich sie irgendwann mal betitelt habe.

Aber sie sind herzlicher, als früher. Sie scheinen mehr zu lachen als früher. Und das liegt an den kleinen Fältchen, die sich um die Augen legen, wie ein Rahmen.

Ich entspanne das Gesicht, dann lächle ich wieder, bis die Falten erscheinen. Dann entspanne ich wieder. Näher ran und weiter weg. Seit wann sind sie da? Wie war das früher? Waren sie kleiner? Sind sie schneller verschwunden?

Wieder lächle ich. Hin und hergerissen von Faszination („Das also ist das Älter werden“) und Angst („Ist das wirklich unwiderruflich?“), starre ich auf die Augen, schaue, ob sich auch an andren Stellen Fältchen zeigen und denke melacholisch über die Jugend nach, die irgendwann vorbei gegangen ist. Dann lache ich, diesmal über mich. Denn noch ist es nur ein Spiel. Noch glaube ich nicht an das entgültige Älter-Werden.

 

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