„Das passt nicht mehr mit dir und mir….“ – Trennungsschmerz

(An diesem Artikel habe ich über ein Jahr geschrieben. Das war, ist nicht mehr. Das was in den Worten sein wird, ist längst vergangen…)

Jetzt, wenn ich das hier schreibe, glaube ich an mein Überleben. Aber ich weiß, dass es Momente geben wird, in denen ich mir weniger sicher bin. Aber ich schreibe jetzt. Ich möchte hier mit Abstand, neben mir stehend, beschreiben, was Liebeskummer ist. Als völlig Unbeteiligter. Als Doktor Freud bitte ich mich auf das Sofa und schreibe wenig mitfühlend mit spitzen Bleistift  Diagnosen auf.

Zunächst einmal würde ich sagen, dass sich der Satz  „Es ist aus“, anfühlt wie: „Krebs. Endstadium. Noch zwei Wochen. Regeln Sie ihre Angelegenheiten.“ Und wenn ich in dieser Krebsdiagnosen-Metapher bleibe, gibt es sicherlich Trennungen, die mit einem Hirntumor vergleichbar sind und welche, die ein kleiner Knoten am Finger sind. Ich würde behaupten, dass ich weit davon entfernt bin, eine Hirntumordiagnose zu haben. Meine Überlebenschancen stehen sehr gut. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein restliches Leben zerstört ist, geht gegen null. Eher so eine Operation, die weh tut und eine Narbe hinterlassen wird, die vermutlich hin und wieder noch jucken könnte. Aber das ändert nichts daran, dass ich manchmal rumsitze und denke: „Warum gibt es so einen Sch***?“ Und ich frage das mit einer Miene, als sei es das Todesurteil. Als müsse die Welt und das Universum an diesem Schmerz zerbrechen.

Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass mich diese Erfahrung völlig entstellt hat. – Manchmal, an weniger guten Tagen. – Ich erwarte, dass jeder die Narbe sieht. Als würde sie mir über das ganze Gesicht verlaufen oder als würden mir Gliedmaßen fehlen. Und wenn keiner mitleidig schaut, bin ich irritiert. ( Wenn Liebeskummer schon dazu führen kann, dass ich das Gefühl habe, dass mein Gegenüber mich nicht sieht oder erkennt, wie muss es Kriegsveteranen gehen? Die mehr als eine Liebeskummer-Narbe haben?)

Mein Verstand hat längst erkannt, dass ich überleben werde. Er versucht dem Herz gut zuzusprechen, das sich wie eine Diva aufführt und das nahe Ende theatralisch prophezeit oder nichts lieber möchte als ins Bett zu gehen und dort das Sterben zu proben. Aber das Herz ist völlig unbeeindruckt von dem, was der Verstand sagt. Es probt einen Aufstand und tut weh. ( Das Phänomen erinnert an das Verlieben. Nur dass da der Verstand sagt, dass das Herz aufhören soll, so dämlich das Leben zu feiern und ständig zu lachen. Und stattdessen ins Bett  gehen schlafen. Aber das Herz macht Party…)

Wollte ich verliebt unbedingt Liebesgeschichten hören, interessiere ich mich jetzt für Trennungsgeschichten. Bekomme ich verliebt das Lächeln partout nicht aus meinem Gesicht, kann in der Trennungstraurigkeit nichts meine Lippen davon überzeugen, gen Himmel zu streben.

Alles tut weh, so körperlich, dass ich denke, ich müsste den Schmerz warmhalten oder kühlen können.

Die Trennung führt im Anfangsstadium zu einem Verlust von Identität. Und meine Haare umgingen nur durch die Verkettung einiger Umstände einem radikalen Schnitt. Weil ich mit dem Satz „Es ist aus“, nicht mehr wusste, wer ich bin und was ich kann. Und das Bedürfnis hatte, einfach jemand anderes zu sein. Weglaufen und Neu- Erfinden in einem. Es ist, als hätte ich mein Zuhause verloren und sei plötzlich obdachlos. Und selbst jetzt, als ziemlich klar ist, dass es gut ist, wie es ist, habe ich manchmal das Gefühl, ich sei nicht vollständig. Ich sei nicht ich. Etwas fehle, das ich nicht benennen kann.

Und dann gibt es natürlich noch diese Fragen von: „Warum konnte es kein Happy-End geben? Ab wann war klar, dass es enden wird? Hat er\sie mich geliebt?“ Die ganzen Klischee-Fragen halt.Und wie geht es jetzt weiter? Freunde sein oder Feinde? Kann ich jemanden, den ich gestern noch mehr geliebt habe als alles andere, heute hassen? Kann etwas, das so lebensbestimmend gewesen ist über Nacht völlig gleichgültig und ohne Relevanz für mein Leben sein? Aber wenn nicht, wie soll man nach so etwas, noch befreundet sein? Geht das überhaupt?  Und wann geht die Liebe endgültig weg?

Welchen Sinn hat der ganze Mist? Gibt es irgendetwas Positives daran? An schlechten Tagen gibt es das nicht.

Aber zum Glück bin ich nicht die Erste, die hoffte, etwas Langlebiges zu haben um es dann zu verlieren und das holt mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.  Es fühlt sich an, als sei es das Ende der Welt. Aber an guten Tagen frage ich mich, wie ich das je denken konnte. Es war und dann war es vorbei. Wie vieles andere im Leben.

——

Lange war die Liebe noch da. Aber inzwischen ist sie weg. Lange konnte ich nicht loslassen und machte mir vor, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat, sondern mit Stärke.  Jetzt fühle ich mich bereit, loszulassen. Ich empfinde die Entfremdung als heilsam. Manchmal vermisse ich etwas, das ich nicht benennen kann. Inzwischen glaube ich, das es die Nicht-Anwesenheit der Narbe ist. Meine Einstellung zur Liebe ist eine andere. Ich habe etwas von der Naivität eingebüßt, mit der ich sowieso nicht so gut ausgestattet war.

—–

Begonnen habe ich den Beitrag wenige Monate nach der Trennung. Jetzt ist es fast ein Jahr her. Jetzt kommt es mir so seltsam vor, dass es dieses fremde Leben mal gab, dass mein Herz wirklich mal mit diesem anderen Herz geschlagen hat. Ich erinnere mich noch an den Schmerz. Aber es verblaßt und wie die meisten Verluste, wird dieser Verlust zu einer schmerzvollen Erinnerung, die an Bedeutung verliert. Wenn ich drauf drücke tut es weh. Manche Gedanken und Orte reizen die Narbe. Aber sie hat aufgehört zu bluten.

Ich stehe dem Ich gegenüber, dessen Herz nicht aufhören wollte zu bluten und frage: Wer bist du? Diese Trauernde ist mir fremd geworden.

—–

Wer sind wir? wer werden wir sein können? Sind noch immer Fragen. Aber sie brennen nicht mehr. Die Narbe ist klein, fast verheilt. Ich atme ein und aus ohne daran zu denken. Ich lache, ohne daran zu denken. Meine Lunge ist wieder ganz. Meine Gliedmaßen heil. Mein Gesicht ist mein Gesicht. Mein Leben ist mein Leben. Meine Haare wachsen und wachsen. Es gab diesen Moment, an dem ich noch dachte: „Kein Kontakt mehr. Schnitt. Ende.“Aber vor zwei Wochen überraschte mich der Gedanke: „Da war ein guter Mensch. Sein Herz schlug nahe an meinem. Ich kann dankbar dafür sein, ihn so gut kennen gelernt zu haben.“

Dankbarkeit, statt Wut oder Schmerz.

Als ich diesen Artikel begann, glaubte ich nicht daran. Aber alles heilt. Auch Liebeskummer.

 

 

Advertisements

Erste Spuren?

Das Gesicht im Spiegel lacht. Ich sehe es an. Es scheint mir herzlicher als früher zu sein. Ich gehe näher heran und mustere alles Unebenheiten, wie das Frauen sicher besser können als Männer. Beobachte alle Unsymetrieheiten, als hoffte ich, dass sie sich verflüchtigt haben könnten. Betrachte die Mitesser, die mich ärgern und die verheilenden Pickel, die über die Jahre zum Glück weniger geworden sind. Womöglich betrachte ich mich auch im Profil, mit dem neuen Spiegel geht das und voller Interesse mustere ich mein Profil.

Nach längerem Betrachten finde ich endlich, was andrs geworden ist. Meine Augen. Noch ist das eine einen Tick größer als das andere. Noch immer sind sie hellgrün mit kleinen Pupillen. Vogelaugen, wie ich sie irgendwann mal betitelt habe.

Aber sie sind herzlicher, als früher. Sie scheinen mehr zu lachen als früher. Und das liegt an den kleinen Fältchen, die sich um die Augen legen, wie ein Rahmen.

Ich entspanne das Gesicht, dann lächle ich wieder, bis die Falten erscheinen. Dann entspanne ich wieder. Näher ran und weiter weg. Seit wann sind sie da? Wie war das früher? Waren sie kleiner? Sind sie schneller verschwunden?

Wieder lächle ich. Hin und hergerissen von Faszination („Das also ist das Älter werden“) und Angst („Ist das wirklich unwiderruflich?“), starre ich auf die Augen, schaue, ob sich auch an andren Stellen Fältchen zeigen und denke melacholisch über die Jugend nach, die irgendwann vorbei gegangen ist. Dann lache ich, diesmal über mich. Denn noch ist es nur ein Spiel. Noch glaube ich nicht an das entgültige Älter-Werden.

 

Öhm…

Ich bin Waldorflehrerin. Lehrerin bin ich mit Leib und Seele. Waldorf habe ich mir im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten ausgesucht. Trotzdem laufen eine Reihe Unterhaltungen so ab:

Ich: „Falls ich dahinziehe, muss ich immernoch ein ganzes Stück zur nächsten Waldorfschule pendeln.“

Mein Gegenüber: „Oder du findest eine Stelle an einer normalen Schule. Kannst du da auch noch arbeiten?“


Oder:

Ich: „Ich bin Waldorflehrerin.“

Mein Gegenüber: „Schön. Ist sicher interessant. Kannst du irgendwann wieder an einer normalen Schule arbeiten?“

________________________________________________________________

Als habe ich mich da aus Versehen hinverirrt…

 

Gedanken, die ich grade noch los werden muss

Ich habe „How I met your mother“ hoch und runter geschaut. Ich kann es mitsprechen. Ich lache 5 Minuten, bevor irgendetwas witzig ist, manchmal auch bevor die Folge überhaupt losgegangen ist.

Als Kommentat zu Toleranz durch Fernsehen und Bücher, möchte ich dennoch etwas anmerken.

1. Es ist verrückt, dass Ted und Barney und Robin befreundet sind, obwohl Ted und Barnex beides Ex-Freunde von Robin sind. Aber das ist für die Geschichte wichtig und gut. Ist mir nur aufgefallen.

2. Sie trinken ständig. Kein Wunder, da ein großer Teil der Handlung in einer Bar stattfindet. Das fiel mir vorher garnicht auf, bis ich diesen artikel gelesen habe:

http://ze.tt/alltagsalkoholismus-uns-faellt-gar-nicht-mehr-auf-wie-viel-wir-trinken/

Suggeriert das ständige in der Bar sitzen und trinken, ganz beiläufig nicht, dass das ganz normal ist?

3. Barneys Reden über Frauen ist wirklich scheußlich. Aber Barney ist ein Sympathieträger, sagt das nicht, dass es okay ist, so mit Frauen umzugehen wie er es tut?

https://www.youtube.com/watch?v=3htVoHJm7OM

(Wobei es diesen Typ Mann, der auf Sex mit ganz vielen scheinbar dummen und unmündigen Frauen aus ist, in vielen amerikanischen Serienvertreten ist.- bsp. Howard in BigBangTheory, Schmidt in New Girl, Todd in Scrubs –  Da ist doch etwas nicht in Ordnung, oder? Back to the 50er?)

4. Auch das schwule Paar, das in der dritten Staffel auftaucht, wird mit einem wenig schmeichelhaften Wort versehen und bedient alle Klischees.

Jetzt komme ich mir ein wenig vor, wie ein Nörgler.

Was grade so aktuell ist…

Guten Tag lieber Blog. Guten Tag liebes Leben. Einatmen und Ausatmen. Der Bär und ich haben unsere Sachen gepackt und sind wieder umgezogen. Der Bär war nicht so zufrieden damit. Das hat mich nicht überrascht. Der Bär reist nicht gerne. Neues Haus, neue Baustelle, neues Leben, neues Glück. Wenn das Jahr zuende geht, wird es kaum noch dem gleichen, das begonnen hat. Das ist gut.

Ich bin jetzt Waldorflehrerin. Viele mögen ihr Leben lang von ihrem ersten Auto oder ihrer ersten großen Reise geträumt haben. Ich glaube, ich habe immer schon von meiner ersten eigenen Klasse geträumt. Morgens stehe ich an der Tür, um alle Kinder zu begrüßen und freue mich so, hier zu sein, in der kleinen Schule mit den wunderbaren Kindern. Ich freue mich, dass ich mir überlegt habe, was wir heute machen und morgen und dass alles irgendwie läuft. Ich liebe meinen Beruf und kann noch nicht ganz fassen, dass ich dafür wirklich Geld bekomme. Ich möchte in Zukunft gerne ein bisschen mehr über Waldorf schreiben. Manchmal bin ich superkritisch. Manchmal ganz verliebt.

Ich fahre jetzt auch Auto. Das habe ich früher schon getan. Aber nicht so häufig. Jetzt pendle ich und habe soetwas wie „Auto“-Geschichten, Situationen, die für mich emotional waren, aber für den Zuhörer nur eine Ansammlung von nicht Erzählenswerten. Jedenfalls nicht, solange man nicht übermüdet und ziemlich betrunken um vier Uhr morgens irgendwo herumhängt und redet, um nicht einzuschlafen. Aber ich erzähle diese Autobegebenheiten beim Kaffeetrinken. Sowas wie: „Heute habe ich den Mopedfahrer um 6:45 überholt.“ Dieser Mopedfahrer, der Morgen für Morgen überholt werden muss, meistens aber erst um 6:55, an einer besondrs kurvigen Stelle mit besonders viel Gegenverkehr,  ist seit Anbeginn meiner Pendelzeit DAS Thema beim Essen. Aber selbstverständlich nur für mich.  Darüber möchte ich in Zukunft hier nicht so viel   schreiben. Weil es wirklich nicht interessant ist, in welcher Kurve ich ihn um wieviel Uhr überholt habe.

Außerdem war zumindest in meinem Bekanntenkreis das Jahr 2016 das Jahr der Trennungen und mit der Tragik eines Teenagers und dem analytischen Geist eines Wissenschaftlers habe ich meine eigene Trennung von jenem Menschen beobachtet, der ziemlich lang ziemlich viel für mich war. Darüber habe ich einen Beitrag geschrieben, den ich seit Monaten überarbeite. Das war meine erste Trennung und die Versuchung war ziemlich groß, anzunehmen, dass nie jemand vor mir und nie einer danach solchen Schmerz erlitten hat. Was sich als Unfug herausstellte, sobald ich mit offen Augen durch die Welt gegangen bin. Trotzdem noch immer ein Thema, das mich fasziniert, wenn es mich auch nicht mehr völlig in Anspruch nimmt.

Ich bin 27 geworden. Es gab mal eine Zeit, in der ich annahm, wenn ich erst 27 sein würde, hätte ich Kinder, Mann und ein Haus. Stattdessen stehe ich in dem neuen Leben. Atme ein und atme aus. Manchmal denke ich darüber nach, wo ich bin, wo ich sein könnte und wo ich war und ob es gut ist, nicht mehr dort zu sein. Das Älter-Werden ist noch immer Thema. Daran wird sich vermutlich nie etwas ändern, denn damit hört man ja nicht auf…

 

„Must-Have“ – echt jetzt???

Lieber Blog! Solange nichts mehr geschrieben, öffne ich dich, der sich vielleicht bereits für tot hielt, erneut. Reaktiviere das, was mal war. Neues Jahr. Neues Leben. Atme ich ein und aus, ein und aus. Und im Neu-Sein entdecke ich das Alte wieder. Von daher sehr passend, mich über Konsum und Werbung aufzuregen, was mal großes Thema in meinem Kopf war und dann verloren ging in der Kunst, im Umzug in dem neuen Studium.

Fahre ich Bus, komme ich an Geschäften vorbei, wirbt eines, dass es die „Must-Have“’s einer Frau hat. „Aha“, denke ich.Wenn ich ein Mensch wäre, der Geld hat, und nicht so pragmatisch in seiner Kleiderwahl ist, wäre, wie ich es bin, würde ich mir dann diese Kleider kaufen?  Dieses „Must-Have“?

Was soll dieser Anglizismus an dieser Stelle, denke ich, noch geht mein Puls sehr ruhig. Ich dümple in meinen Gedankenwelten. „Must-Have“ ein „Haben-Muss“. Wie interessant. Dass es Kleider gibt, die man haben muss. Mir fällt die Lederjacke ein, die ich im Herbst, als es eigentlich schon wieder zu spät war für solche Jacken, haben „musste“. Ich habe eine halbe Woche von nichts anderem gesprochen, als dass ich diese Jacke möchte und als ich sie endlich hatte, nochmal eine halbe Woche nur diese Jacke als Gesprächsthema gehabt. (Dann wurde es kalt, jetzt hängt sie im Schrank und wartet auf den Frühling…) Dann gibt es den Rucksack, den ich auch haben „musste“.

Was heißt eigentlich haben „müssen.“ Heißt „Müssen“ nicht, dass es nicht tun das Leben unangenehm beeinflusst? Zum Beispiel muss ich etwas für das Studium tun,wenn ich das nicht tue, könnte das unangenehme Folgen haben. Musste ich den Rucksack haben? Zumindest habe ich das geglaubt. Aber woher weiß man noch was man haben muss? Ist die Welt nicht voll davon, dass einem gesagt wird, welche „Must-Have“s es gibt? In einer Stadt in der ich kürzlich war, haben sie ein riesiges Einkaufszentrum gekauft, das die Stadt sicherlich nicht braucht, weil die Stadt bereits eines hat. In diesem neuen Zentrum gibt es hauptsächlich Dinge, die man ganz selten braucht. Was die Stadt gebraucht hätte, wäre ein Schwimmbad gewesen oder ein Park.

Geht man durch so Einkaufszonen gibt es eine Menge Zeug, dass man, laut der Werbung, haben muss: ein neues Handy, ein teures Duschgel, die neue Sommermode, eine neue Frisur, beste Schokolade. Alleine wenn es heißt: „Bei diesem Handyvertrag gibt es das neue Smartphone Dingsbums dazu“, signalisiert es mir doch, dass es egal ist, ob mein Handy es noch tut, ein neues Handy ist immer besser.

Ich mag es, dass es Geschäfte gibt. Dass ich nicht den Liter Milch bei Heinz Müller und die Zahnpasta bei Peter Hinz kaufen muss. Sondern an einer Stelle alles bekomme. In der Hinsicht habe ich auch nichts gegen Einkaufszentren, weil ich Einkaufen so hasse, dass ich es gut finde, dass es sich schnell erledigen lässt. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Geschäfte nicht mehr für mich existieren, sondern ich für die Geschäfte. Dass ich der Illusion so viel haben zu müssen überwältigt werde, denn was sind die einzigen beides „Must Have“ des Lebens? Wasser und Brot. (Hin und wieder vielleicht eine Orange, um nicht krank zu werden. :P)

Manches andere ist wundervoll zu haben. Mein Rucksack über den ich mich jedes Mal freue, wenn ich ihn sehe. Aber er ist kein „Must-Have“. Er ist purer Luxus, den ich mir glücklicherweise leisten kann.

Die ersten Wochen unter Waldis

Blick nach der ersten Woche:

Am ersten Tag – Montag – kam ich nachhause. Alle fragten: wie war es, ich sagte: weiß nicht. Wir haben zusammen gesungen. Jeder neue bekam eine Sonnenblume geschenkt. In den Vorträgen, die gehalten wurden, ging es um uns in der Welt, nicht darum, wann wir welche Leistung zu bringen hätten. Den Dozenten sah man an, dass dieser Tag ihr Herzblut war. Ich glaube nicht, dass sie eine Pause gemacht haben. Aber sie beklagten sich nicht, als sie meiner Gruppe – der letzten – zum dritten Mal erklärten, wie sich die kommenden Wochen gestalten. Das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, ob ich bin, oder nicht, irritierte mich zutiefst.

Die Erstiwochen gestalten sich so: 90 Minuten Kunst, Pause, 90 Minuten Einführung in das Schulwesen, 90 Minuten Kunst. (Kunst = Sprachgestaltung o. Musik o. Eurythmie o. Malen). Wir wurden eigeteilt und werde am Ende der drei Erstiwochen alles gemacht haben. Jetzt habe ich drei Tage Sprachgestaltung gemacht. Das bestand zum Teil aus Laufübungen (wie laufe ich?), wie spreche ich? wie erzähle ich?Ach und Rythmus natürlich. Das wird noch ein Spaß. Rythmus ist nämlich nicht meins. Zu allem gab es Gedankenanstöße, keine Belehrungen. Und alle waren so bemüht uns miteinander vertraut zu machen, dass wir nicht nur nach kürzester Zeit die Namen konnten, sondern auch die Berührungsängste verloren. Selten hatte ich so wenig Angst mich zum Affen zu machen, wenn Fremde zusahen.

Gestern haben wir gemalt. Aufgabe: Teilt euch in Zweiergruppen. Interviewt einander eine halbe Stunde. Überlegt euch dann, welche Farbe der andere ist. Ist er überwiegend rot, vielleicht mit ein bisschen blau? Malt es.

Innerhalb von einer Woche kenne ich die meisten Komillitonen besser als jene Leute mit denen ich ewig studiert habe.

——

Blick nach der zweiten und dritten Woche:

Ich habe ich es wissentlich vermieten etwas zu schreiben. Selbst wenn ich dazu gekommen wäre. Ich dachte, wenn ich in diesem Bereich arbeiten möchte, ist es nicht gut den Kulturschock öffentlich in die Welt hinaus zu schreiben. Vorallem weil nicht absehbar war, ob er auch wieder vorüber geht.

——-

Blick nach der vierten und fünften Woche:

Nicht was wir den ganzen Morgen machen ist erzählenswert, sondern was das mit mir macht. Ich vermute, dass dieser fehlende Blick zu meiner zweiwöchigen Krise führte. Ich kam nachhause und hatte den Eindruck, dass ich nicht viel mehr weiß als am Morgen. (Was  eine sehr pessimistische Sicht auf den Gang der Dinge ist und bei nährere Betrachtung nicht zu halten.) Aber wenn ich beobachte, wie ich mit mir und der Welt umgehe, hat sich doch viel getan. Ich sehe während den Zugfahrten Fremden viel mehr ins Gesicht und verschenke freundliche Lächeln, die oft erwidert werden. Ich glaube, ich kann mein Gegenüber viel mehr so annehmen wie er ist, als das vorher der Fall gewesen ist. (und da wo ich es nicht kann, arbeite ich daran.)  Mir fällt auf, wie sehr ich mich über das Leben wundere und entzücke.

Das sind alles Dinge, die nicht neu sind. Sonst hätte ich mich vermutlich nicht so stark und so schnell zu Waldorfschulen hinzugezogen gefühlt. Aber ich habe das Gefühl, dass sich diese Charaktereigenschaften in mir fester verwurzeln.

Letztes Wochenende waren wir auf einer Hochzeit, auf der getanzt wurde – wie das nun mal vorkommt bei Hochzeiten. Das mich selbst überraschende war, dass ich nicht wie üblich mich auf einen Stuhl gesetzt, das Treiben fasziniert beobachtet habe, sondern mitgetanzt habe. Was ich wirklich sonst kaum gemacht habe. Ich schiebe es auf den Einfluss des Studiums. Wir haben die Kunsteinheiten (momentan habe ich Musik und Eurythmie) und bisher ist mir noch nicht passiert, dass jemand gesagt hat : „Du kannst das nicht!“ Und ich verliere all die über die Jahre gesammelten Ängste, was die Leute wohl denken wenn ich singe oder tanze. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir gegenüber sage: „das werde ich nie können“ und dann der zweite Gedanke kommt: „Woher weißt du das? Vielleicht kannst du es doch, wenn du keine Angst hast, es falsch zu machen.“ Nicht herausragend, das glaube ich nicht. Aber beim Singen und Tanzen würde mich das normale Mittelfeld schon sehr freuen.

Was ich an der Hochschule wirklich mag, ist dass sie mir nicht so verlogen vorkommt wie andere Institutionen. Sie sagen: „nehmt die Kinder wie sie sind“ und sie nehmen auch uns, die Studenten, wie wir sind. Sie bemühen sich um unsere Namen, erfragen Teile unserer Lebensgeschichte und geben Hilfestellung. Das Miteinander an der Hochschule besteht darin, dass jeder schaut, wie er sich einbringen kann. Es gibt Küchen- und Putzdienste, Gartentage für das Grün drumherum. Der erste am Morgen setzt Kaffee auf für alle anderen. Es ist ein Miteinander, mit Interesse füreinander.

Ein Großteil der Lehrveranstaltungen ist durchdrungen von Philosophie. Viel von Steiner. Natürlich. Aber so viel von allen anderen, dass ich das Bedürfnis habe mir einen Überblick darüber zu verschaffen, was wer wann gedacht hat. Das finde ich wundervoll, da ich gerne Philosophie studiert hätte, aber davon kann ja kein Mensch leben….

Fazit nach der fünften Woche: ich freue mich auf die sechste Woche, freue mich über die Anregungen, über die Welt nachzudenken und über mich. Bin gespannt was es weiterhin mit mir macht.

 

 

 

 

Montag ist der große Tag!

Heute ist Samstag. Noch zweimal schlafen, dann beginnt mein Waldorflehrer-Studium. Zum Glück war ich überzeugt, als ich mich dort eingeschrieben habe. Momentan finde ich den Gedanken  mich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einer fremden Stadt herumzuschlagen, um fremde Menschen kennen zu lernen und ein neues Studium zu beginnen wenig einladend. Aber Neues hat ja fast immer etwas Abschreckendes an sich. Also kommenden Montag – oder übermorgen, wie Papa  passend ausdrückte – ist der erste Tag. Eine Einführungsfeier, die die Begrüßungswochen einläutet. Auf dem Plan steht neben den Reden und Informationen, die einem zuteil werden auch „Gemeinsames Singen.“ Wenn ich den Plan der Wochen richtig interpretiere bestehen die ersten Wochen aus Malen, Musik, Sprachgestaltung (was immer das sein mag, vielleicht Theater?) und Eurythmie (= eine Art Ausdruckstanz, der dafür verantwortlich ist, dass man jeden Waldorfschüler fragt, ob er mal seinen Namen tanzt.)

Ich bin ein kreativer Mensch, der jahrelang Flötenunterricht hatte. Ich habe immer gerne gemalt und wenn keiner guckt, tanze ich auch. Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder Zugang zu ihren künstlerischen Fähigkeiten bekommen und das gewürdigt wird.

Aber als ich auf dem Plan gelesen habe, dass ich auch in den Genuß kommen soll, zu musizieren und zu malen, war ich eher unmotiviert. Und ich frage mich: Warum? Wenn ich doch möchte, dass Kinder das machen. Betone, wie wichtig das ist. Warum? Wenn ich es immer gemacht habe, es meiner Persöblichkeit also nicht zuwider läuft. Warum? Wenn das die Gründe sind, wieso ich mich für ein zweites Studium entschieden habe? Warum denke ich bei „Gemeinsames Singen“, dass das nach Kindergarten klingt oder Gottesdienst, wenn ich mich bei den staatlichen Schulen darüber beklage, dass es nur um Leistung geht? Warum denke ich, wenn ich den Plan lese: „Und wann beginnt das richtige Lernen?“

Zwei Dinge mache ich dafür verantwortlich.

Erstens, dass ich Tanzen, Musik und Malen mit Noten in Verbindung bringe. Ich mache es gerne aber nichts davon außergewöhnlich gut. Im Gegenteil bei Musik und Tanzen habe ich ein hervorragendes Untalent unter Beweis gestellt. Ich hatte genug Kunstlehrer, die mir beigebracht haben, dass ich mit wenig Talent gesegnet bin, sodass ich grundsätzlich betone, nicht malen zu können. Wenn ich es dann doch tue, sind die meisten überrascht, dass es nicht so schlecht ist, wie nach meinem Getue anzunehmen gewesen wäre.

Zweitens bin ich so geprägt auf: Leistung! Noten! Wissenschaft! dass es mir sehr komisch erscheint, wenn erwartet wird, dass ich mich selbst ausdrücke, wenn es um das Miteinander geht und nicht darum wer der Beste ist. Tanzen, Singen und Malen sind Dinge, die ich unbewusst mit dem Kindergarten verbinde, in dem es vor zwanzig Jahren noch nicht darum ging, ob man gut genug ist. (Heute ist das anders, heute wird regelmäßig abgeglichen, ob das Kind schon die Farben kann, schon zählen kann, ob es wie die Altersgenossen lange genug sitzen bleibt, alles wird protokolliert und analysiert.)

Meine Skepsis gegenüber Tanzen, Singen und Malen als erwachsener Student in aller Öffentlichkeit liegt nicht in meiner Persönlichkeit, sondern in dem, was ich gelernt habe, wie die Welt funktioniert. Seit ich in die Schule gekommen bin – was jetzt auch schon zwanzig Jahre her ist –  wurde mir beigebracht, dass ich das bin, was ich kann. Selbstentfaltung kann man zuhause machen, wenn man möchte. Aber wichtig ist, was man weiß, welche Noten man hat.

Das werde ich umlernen müssen. Nicht nur für mich. Auch für die Kinder. Wichtig ist, wer der Mensch ist. Wichtig ist, dass er sich mag und mit den anderen Menschen klar kommt. Das soll die Schule beibringen. Dazu gehört Tanzen, Singen und Malen. Von daher: Willkommen erste Woche! Willkommen neuer Lebensabschnitt! Willkommen neue Impulse!

Mal sehen, was für einen Menschen es aus mir macht.

Ich bin momentan noch ein wenig wie verliebt. Überzeugt, dass das meine Berufung sein könnte. Vielleicht tatsächlich ein Ort an den ich passe. Gefolgt von großen Zweifeln und Skepsis.

(Wenn ich sage, dass ich Waldorfpädagogik studieren werde, sage ich das immer mit einem Lächeln, um dem Gegenüber die Möglichkeit zu nehmen, auf meine ernste und stolze Ansage herablassend zu lächeln. Viel öfter als ich angenommen habe, ist das garnicht nötig. Der Großtteil der Leute erwidert: „wie Interessant.“ „Das ist toll.“ Natürlich gibt es auch Erwiderungen wie „Was sagen deine armen Eltern dazu?“ oder „Dafür must du wirklich studieren?“ oder mein Favorit unter den Vorurteilen: „Waldorflehrer? Das ist leichter als normale Schulen.“  Als würde ich Waldorfpädagogik studieren, weil ich es an einer normalen Schule nicht geschafft habe. Für diese Leute ist das Lächeln. Und für mich – was ich mir kaum eingestehen möchte. In den Tiefen meiner Persönlichkeit gibt es Ecken, die noch viel skeptischere Fragen stellen, nach dem Motto: „Wirklich?! Du möchtest an diesen Hippie-Schule, an der sie keine Noten geben, arbeiten!?“)

Wenn die Verliebtheit schwindet und ich das verlegene Lächeln verliere, werden neben diesen Zweifeln auch die Begeisterungsstürme nachlassen. Ich bin gespannt. Darauf was mich ärgern wird. Auf das Gefühl, wenn ich mich vorstelle mit „Ich bin Waldorflehrerin“. Gespannt, was es mit mir macht.

Für den Moment habe ich die Wochenpläne gedruckt, die Zugverbindung herausgesucht und gezählt wie oft ich noch schlafen muss. Noch Zweimal!

 

 

Der Beginn der gemeinsamen Geschichte

Nicht dass ich die Wohnung in der Stadt geliebt habe! Es gab Momente, in denen mir die Gemütlichkeit des Wohnzimmers bewusst wurde, der schöne Schnitt der Wohnung, in der ich mich daran erfreute, dass die Möbel dort standen, wo ich sie hingestellt hatte. Alles selbst gemacht. Mein Reich. Meine erste echte Wohnung. Davor hatte ich in einem Wohnheim gelebt, das ich auch schon liebte. Aber die Wohnung in der Stadt hatte immerhin mehr als ein Zimmer und fast das dreifache an Platz. Ich liebte die Wohnung, wie man die erste Wohnung liebt. Aber es blieb die Sehnsucht nach einem Ort ohne Autolärm, nach einem Ort, an dem es nach Äckern riecht und im Herbst nach vergährten Trauben, ein Ort, an dem die Nacht das Land in das unwiderstehliche Parfum des „Alles ist möglich“ hüllt. Die Luft in der Stadt war schwer zu atmen. Die Sonne erreichte mich kaum, der Regen war nicht gut genug, um darin zu tanzen.

Jetzt bin ich hier.

Der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Manchmal schaue ich verstohlen nach rechts und links, ob ich Gesichter aus meiner Kindheit und Jugend erkenne. Manchmal taucht das eine oder andere Gesicht, das seit meiner Kindheit verschollen war, wieder auf. Gegenseitiges verlegenes Erkennen. Zehn, fünfzehn Jahre haben wir nicht miteinander gesprochen. Aus den Kindern, die zusammen in den Kindergarten gingen, dort die ersten Versuche machten, Freunde und Nicht-Freunde zu unterscheiden, sind Erwachsene geworden, die sich fremd sind. Anerkennende Augenblicke, was geworden ist. Das Mädchen, das in niedlichen Kleidchen in die Schule kam, ist nun einer schöne Frau geworden. Jeder andere Gleichaltrige im Dorf könnte mir vermutlich sagen, ob sie einen Freund hat, verheiratet ist, ein Kind hat oder ein Kind in Planung. Das Dorf ist so klein, das die Dorfjungend zusammengeschweißt alles voneinander weiß. Ich war nie ein Teil dieser Jugend und war lang genug weg, dass diese Informationen es noch nicht über hundert Ecken zu mir geschafft haben.

Aber die ersten wissen bereits, dass ich wieder hier bin, ohne dass ich es ihnen gesagt haben. Sie begrüßen mich mit „Wieder hier?“ oder „Wie ist es wieder hier zu wohnen?“ Das Auto mit dem fremden Autozeichen erntet noch misstrauische Blicke. Keiner grüßt, aller schauen das Zeichen an mit dem Argwohn, den man hier allem entgegenbringt, das fremd ist. Ich bin mit der Einstellung aufgewachsen, dass die Grenzen dort verlaufen, wo der Dialekt aufhört, wo die Autozeichen sich ändert. Halb im Ernst, halb im Scherz habe ich solche Sätze wie „Kein Wunder, dass der so parkt, schau nur wo er herkommt“ so oft gehört, dass ich sie garantiert weitergeben werde. Aber aus diesem Misstrauen wird sich Herzlichkeit entwickeln. Wenn sich herumgesprochen hat, dass ich wieder hier bin und wenn sie mein Auto kennen, werden sie vermutlich zum Gruß die Hand heben. Es ist klein hier. Man kennt sich.

Anders als in der Stadt, kommt und geht hier niemand unbemerkt. Man trifft sich. Auf der Straße, in Küchen, in der Kirche, in den wenigen Läden, in denen alle einkaufen gehen.

Bekannte Straßen. Bekannte Leute. Ich bin eingezogen, wo ich als Jugendliche schon einmal gewohnt habe. Dort wo mein Bett stand, ist nun mein Herd. Dort wo der Schreibtisch stand, mein Esstisch, dort wo mein Kleiderschrank, die Spüle, dort wo meine Schulbücher sich stabelten mein Küchentisch. Das selbe Bad. Das Arbeitszimmer meines Vaters ist nun meines, im Schlafzimmer meines Bruders steht nun mein Bett. Es ist nicht so fremd, wie es sein könnte. Aber obwohl überall meine Möbel stehen, meine Muisik läuft, meine Bilder an den Wänden, fühlt es sich nicht an wie mein Lebensraum. Aber vielleicht muss das so sein. Das sage ich mir jedenfalls. Ein Raum wird nicht zum eigenen Raum, nur weil die Möbel darin stehen. Sondern weil dort Lebenszeit verbracht wurde. Der Ort Geschichte bekommt. Weil Besuch empfangen wurde, weil man sich an kalten Abenden eine Suppe kochte, krank das Bett hütete, weil man laute Musik anmachte und verrückte Tänze aufführte, sich stritt und wieder vertrug. Ich glaube erst die Zeit wird diese Zimmer zu meinen Zimmern machen.

Gestern habe ich mal geputzt. Denn wann ist man näher am eigenen Lebensraum, als wenn man auf den Knien den Dreck aus den Ecken kratzt. Man merkt man mehr die Fläche, die einem gehört, wenn man dreckig und schwitzend den Staub von den Lampen wedelt?

Ich denke, ich werde hier sehr glücklich werden. Meine Küche steht. Meine Kaffeemaschine läuft. Das erste hier etablierte Ritual: das morgendliche Kaffee kochen. Der Geruch von Kaffee, dem Öl, das ich auf die Arbeitsplatte gestrichen habe, dem Lack vom Küchenschrank, den ich auch eigenhändig gestrichen habe, den Vorhängen, die ich gewaschen habe, gibt der Küche einen eigenen ganz individuellen Geruch. Den Geruch des Beginns der gemeinsamen Geschichte der Küche und mir. Der Beginn einer wunderbaren Zeit.

Ich freue mich darauf, wenn es kalt wir, drinnen zu stehen, während es draußen regnet und stürmt. Ich freue mich Kerzen anzumachen, wenn es dunkel ist und darauf um weihnachten überall Tannenzweige zu verteilen und Bratäpfel zu machen.