Auf der Suche

Es ist viel passiert und fast nichts. Ich bin verschwunden in einem Loch der Selbstfindung. Wochen kamen und gingen unbemerkt und ich versuchte heraus zu finden, womit ich jetzt, nach meinem abgeschlossenem Studium, mein Geld verdienen möchte. Ich war am Theater, im Kindergarten in der Schule und weiß nun, dass ich ans Theater möchte. Mehr als alles andere, möchte ich Schönheiten genießen, die das Theater bietet. Stühle in leeren Räumen, bedeutungsschwere Blicke, Stille und Lärm. Erstmals glaube ich einen Raum gefunden zu haben, in dem ich unbeschwert atmen kann. Aufgaben, für die es sich lohnt aufzustehen und auch nebenher etwas dafür zu tun. Es sind diese Dinge, die ich immer gemacht habe, nur normalerweise nebenher.

Soweit so gut. Erkenntnis gesammelt.

Ich möchte mich mit der Fotographie versuchen. Das ist für das Filme machen (auch ein Hobby, das ich liebe wie das Leben selbst) sehr gut – habe ich gelesen. Kurz vor  Weihnachten bin ich mit einer Kamera bewaffnet in einem leerstehenden Haus auf dem Boden herumgerutscht um Fotos der Vergänglichkeit zu machen. IMG_8457

Besonders viel Mühe habe ich in das etwas morbide Foto der toten Hummel mit dem toten Schmetterling gesteckt. Es gibt ca. 10 Fotos – mal ist die Hummel allein schwarf, dann das Netz, dann Schmetterling und Hummel und dafür sieht man nichts vom Netz.

Später habe ich meine Schwester vor die Linse gesetzt. Es sind mit ihr mehr gute Fotos entstanden, als ohne sie. Das kann daran liegen, dass ich besser Menschen als tote Hummeln fotographiere oder aber natürlich an ihr. =)

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Wenn ich die Fotographie fest in mein Leben integriert habe, werde ich mit der Bearbeitung von Fotos  beginnen. Bisher sind sie noch – sichtlich – unbearbeitet.

Verliebt in die Kunst, weiß ich noch nicht, wie sie sein sollte, dass ich sie liebe. Wieviel Kitsch, wieviel Tod, wieviel Metapher, wieviel fassbar, wieviel unverständlich? Ich schreibe an etwas, das ein Roman werden wird. Aber was für einer – für Erwachsene? für Jugendliche? für niemanden? – das ist mir noch nicht ganz klar. Ich beobachte fasziniert, was meine Finger tippen, lese es durch und denke „aha. das habe ich geschrieben?“, manchmal voller Ehrfurcht, manchmal mit einem gewissen Widerwillen.

Ich schneide an dem Film (nochmal der link zu dem Film-Blog: http://3pistazien.wordpress.com/about/) und auch hier frage ich mich, was für Filme ich gerne machen möchte. Welchre Stil liegt mir denn? Unterhaltung nicht so. Soweit bin ich. Was ein Horrorfilmn werden sollte, mutet nun ein wenig oder ein wenig mehr wie ein Kunstfilm an.

Daher die Aussage. Es hat sich viel getan und doch nichts. Ich stehe noch immer hier, schaffe Dinge und suche, was mir gefällt, suche Arbeit und einen Platz, an den ich passe.

 

 

Liebesgeständnis

– Text entstand während Hospitanz im Theater –

Ich liebe den Geruch, die Requisiten, dass man sich kostümiert und auf der Bühne in einer anderen Welt lustwandelt.

Die wichtige Frage des Tages: In welche Richtung dreht die Bühne? Wann?

Auch das liebe ich.

Jeden Tag Wiedersehen mit Schauspielern, die bereit sind, kindlich über die Bühne zu hüpfen und Figuren, die atmen und leben, ohne je existiert zu haben. Jeder hat seine Aufgabe, die er macht, für ein Projekt. Eine Illusion.

Es werden keine Leben gerettet, keine Entdeckungen gemacht. Die Menschen hier sind klug, man unterhält sich über Literatur Mensch, Gefühl. Aber ich weiß nicht, ob man abseits dieser Bretter, die die Welt bedeuten, existieren könnte.

Im ersten Rang bewundere ich das Treiben unter mir. Sehe keine Menschen, nur Menschen,. die Figuren sind, Augen die traurig und glücklich blicken werden, Herzen, die gebrochen werden. Momente, die ich wieder und wieder in den Proben erlebe, Figuren, die ich kennen und lieben lernte.

Die Luft ist geschwängert von Holz und Schminke, Farbe und dem Staub der Requisiten. Wir schmecken Wörter und Sprache. Mein Herz schlägt schneller bei gut gesetzten Pausen, kleinen Gesten, großen Gefühlen. Gäbe man mit ein Zelt und sagte, ich solle hier, zwischen den Zuschauerreihen wohnen, auf der Bühne die Welt betrachten – ich würde mich nicht beklagen.

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Ich möchte an dieser Stelle ganz ungeniert auf einen anderen Blog verweisen, an dem ich mitschreibe. Vielleicht hat der ein oder andere Lust mal vorbeizusehen.

https://3pistazien.wordpress.com/

Es geht dabei um ein Hobby von mir: das Filme drehen. Momentan arbeiten wir an einem Film, der „Alice im Wunderland“ bearbeitet. Allerdings als Traum, der immer weiter zum Albtraum wird. Der Blog begleitet ein wenig den Schaffensprozess. Ich poste Fotos und berichte, was wir grade so machen.

Ein Blick lohnt sich sicher.

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Schönheit

Wie soll man über Schönheit sprechen? Ich stottere Phrasen, versuche diese Empfindungen, die  tief in mir sind, zu artikulieren. Doch umsonst. Jedes Wort ist eindimensional. Es ist, als wolle man über Liebe sprechen. Ich liebe dich. Liebe deinen Geruch, das was du tust und was du nicht tust. Ich kann Liebe auseinander nehmen. Ich kann versuchen die Schönheit von Bildern, von Musik, von Text zu erklären. Aber das sind Fakten. Es ist zu wenig.

Es ist die Gesamtheit, die so rund ist, dass ich es nicht erklären kann, nur fühlen.

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Ein schöner Abend – aber nicht im Kino…

Alle sind vornehm angezogen. Sie tragen Stoffhosen statt Jeans , Blusen statt T-Shirt . Haben ihre Haare frisiert, tragen Perlen in den Ohren und um den Hals. Wenn die Herren Fliegen tragen, dann auf Hochzeiten und hier. Man unterhält sich gedämpft und ich stelle mir vor, dass die Gespräche sich nicht um den missratenen Spross der Nachbarn drehen, nicht um die kranke Mutter, nicht um den Chef und den untreuen Ehemann, sondern um Musik, Bücher, Stücke, die man erst kürzlich gesehen hat oder sehen möchte. Man gibt sich gebildet und interessiert. Vielleicht ist man es auch. Gefühlt bin ich umgeben von älteren Ehepaaren, die nun Zeit und Muse haben, ins Theater zu gehen. Es riecht nach Parfum statt nach Deo. Keiner sagt: „Cool“ oder zückt sein Smartphone. (Ich packe meines auch direkt verschämt weg.) Stattdessen liest man das papierne Programmheft, spricht langsam und deutlich. Es gibt keinen Grund sich zu beeilen. Man ist an einem Ort zwischen den Zeiten, einem Unort. Hier hat man Zeit.  Man ist heraus gerissen aus der Betriebsamkeit des Straßenverkehrs, des Telefons, der schnellen Bilder.

Im Theater wirken alle freundlich. Diese Freundlichkeit ist nicht die Abwesenheit von Unfreundlichkeit, wie es sie im Kino gibt oder in Restaurants. Der Kartenverkäufer wünscht einen schönen Abend und lächelt, als hätte er das heute noch niemandem sonst gewünscht. Auch die freundliche Frau, die gut angezogen Programmhefte verkauft und aufpasst, dass ich mit der richtigen Karte durch die richtige Tür gehe, um zu meinen Plätzen zu gelangen, lächelt und wünscht mir einen schönen Abend, als habe sie diesen Glückwunsch für mich erfunden. Ich lasse mich in den weichen Sesseln nieder, die an langsamere Zeiten erinnern. An die ersten Kinos, die ersten Lokomotiven. Ich sitze auf meinen billigen aber guten Plätzen, beobachte die anderen, die ihr Plätze suchen, sich begrüßen, rieche vielleicht sogar Chanel N°5 und Kölnisch Wasser. Die Decke ist bemalt, der Vorhang auf der Bühne schwer, alles ist vornehm und voller vornehmer Menschen, die sich tuschelnd unterhalten. Ich grinse, weil die Atmosphäre so schön ist.

Dann öffnet sich der Vorhang. Mir, als Kind des 21. Jahrhunderts erscheint es fast widersinnig, dass die Menschen wirklich da sind, dass es jetzt, real passiert und dass ich es nur jetzt sehen kann, keine Möglichkeit habe, mir die DVD zu kaufen, um es in Konserve zu haben.  Ein einmaliger Moment, den die Schauspieler und ich jetzt gemeinsam haben. Es ist ganz ruhig. Keine Schnitte, keine hektischen Bewegungen, aber auch keine Langeweile.

Dann die Pause. Man trinkt teuren Sekt, um den Moment zu feiern. Man unterhält sich über Kunst. Bildet ein Bildungsbürgertum ab, dass es so längst nicht mehr gibt. Aber für diesen Abend kann man so tun als ob und sich in dieser romantischen Vorstellung sonnen, ehe man, noch immer in das Gespräch vertieft, von dem Glöckchen zurück gerufen, in den Vorstellungsraum zurückflaniert, um die zweite Hälfte zu genießen. Man genießt, lacht. Die Schauspieler spielen mit dem Raum, spielen mit ihren Kollegen und dem Publikum. Die älteren Damen neben mir toben verhalten – es sind schließlich Damen – als der Schauspieler sein Gesäß ganz unverblümt , fast anzüglich, kreisen lässt und verschmitzt ins Publikum grinst, weil er weiß, dass er das sehr gut macht: das Lächeln und das Kreisen. Ich bewundere seine Lässigkeit, seinen unverkrampften Umgang mit dem vollen Saal, als sei er ein unerschrockener Löwenbändiger. Ich muss an Kafkas  „Auf der Galerie“ denken. Das Theater ist etwas gemächlicher als Kafkas Zirkus. Aber das Publikum ist hellwach und beobachtet, lacht und klatscht.

„Verlassen Sie das Theater.“, sagt der Schauspieler auf der Bühne und sieht streng in die Reihen. „Sie bekommen das Eintrittsgeld zurückerstattet.“ An seinem Arm ein Hakenkreuz. Das Licht im Theater geht an. Der Mann auf der Bühne schaut finster in den Raum. Als sich keiner erhebt, wiederholt er seine Versprechen, seine Aufforderung. Da geht das Licht wieder aus. Wir haben uns nicht entfernt, sind stattdessen noch näher herangerückt an das Geschehen, weil er uns angesehen hat, als er sprach. Weil wir uns – wenn auch nur im Ansatz – entschieden haben, zu bleiben, sind wir nun Teil der Handlung.  Nähe, die es im Kino nicht geben kann. Dieser Abend gehört den Schauspielern und dem Publikum gleichermaßen, man verbringt ihn zusammen. Keiner lässt sich nur durch ein teures Abziehbild vertreten.

Am Ende wird es ernst und ganz still im Raum. Auch von meinen billigen Plätzen sehe ich den Ernst und die Verzweiflung in den Gesichtern. Verliere mich in ihrer Mimik und ihrem Spiel, ehe der Vorhang fällt. Altertümlich, romantisch, wie er vor 225 Jahren fiel, direkt nach der Fertigstellung des Theaters. 1789. Das Jahr der französischen Revolution. Demokratie war damals  verpönt, der Nationalismus im heutigen Sinne noch nicht erfunden. Ein Moment der Stille, als halte jeder die Luft an, erfasst von diesem erhabenen Moment.

Dann bricht der Applaus los.

 

Künstler IV

In einer Reportage über die Karl May Filme erzählte einer der Schauspieler, dass er in einer Szene in einem Kirchturm gestanden habe, während sie rechts und links die Häuser abfackelten. (Wer Karl May Filme gesehen hat, weiß, es muss immer irgendetwas brennen.) Zu ihm habe man gesagt, dass er auf dem Kirchturm völlig sicher sei, es seien ja nur die Häuser rechts und links, die angezündet werden sollten. Dann drehte aber der Wind und plötzlich kokelte die Kirche. Der Schauspieler hat das gesehen, sich aber gedacht: „Sie drehen. Ich muss aushalten.“ und er hielt die Stellung, bis er bemerkte, dass sogar der Kamera-Mann geflohen war.

Für eine Unterwasseraufnahme versenkten sie einen Glaskasten mitsamt Kameramann unter Wasser. Die Aufnahmen dauerten länger, es war kalt unter Wasser, der Kameramann wäre fast erfrohren.

Ich habe kürzlich einen Beitrag über die Karl May-Filme gesehen. Daher diese Beispiele. Aber vermutlich hat jeder Film, jedes Theaterstück, jedes Ballett solche Geschichten. Künstler brechen sich etwas und machen weiter. Man riskiert das Leben für Filme, Stücke.

Man könnte von Dummheit sprechen. Ein Film, ein Tanz, ein Stück bedeutet praktisch nichts. Es hängen keine Leben, keine Werte davon ab. Aber trotzdem wird alles riskiert, weil es ernst genommen, geliebt wird.

Ich finde es schön und frage mich, ob bei mir etwas nicht stimmt.

Künstler III

Kürzlich war ich bei der Agentur für Arbeit um mich über berufliche Möglichkeiten im Bereich Theater zu informieren. Der sehr nette Mann, der mir gegenübersaß, betonte, dass  mein Anliegen etwas exotisch sei, dass ich wenig Chancen auf Reichtum hätte und noch weniger auf einen langfristigen, festen Wohnsitz. Aber es sei ja meine Entscheidung, ich werde mich schon richtig entscheiden. (Seine Art das zu sagen, die Körperhaltung, der feste Blick, ließ keinen Zweifel daran, was in seinen Augen die „richtige Entscheidung“ war.) Meine Berufswünsche wäre ja einfacher, wenn ich beispielsweise Bürokauffrau gelernt hätte und in diesem Bereich arbeiten wolle.

Ja, dachte ich. Wenn du wüsstest, wie sehr ich mir manchmal wünsche, dass ich der Mensch wäre, der Bürokauffrau lernt und mit dem Beruf glücklich ist. So viel wäre einfacher.

Ein Smalltalkgespräch über Kunst?

Die Ballerina Beatrice Cordua sagte in einem Inerview, Kunst müsse radikal, aufrichtig, wahrhaftig und schmerzhaft sein. Für den Künstler und den Zuschauer. Kompromisslos. Die Tänzerin sorgte 1972 mit ihrer Darbietung in „Le sacre du printemps“ für einen Skandal. Sie tanzte nackt und offensichtlich so inbrünstig, dass bei der Generalprobe jemand in Ohnmacht fiel.

Ich habe den Zeitungsartikel ausgeschnitten und an meine Wand gehängt. Weil mir ihre Formulierung gefallen hat, weil ich einen Teil meiner eigenen Auffassung darin wiedererkenne.

Was Kunst sein soll und sein kann, ist sicher ein gutes Thema um einen Streit vom Zaun zu brechen. Es gibt keine klaren Festlegungen, nur Theorien, denen man zustimmen kann, oder sie ablehnen. Kunstdefinitionen wandeln sich und werden immer wieder neu definiert. In einer Diskussion kann es also kein richtig und falsch geben. Nur Positionen, die übereinstimmen, oder eben nicht. Sie können dem allgeinen Konsens ähnlicher oder unähnlicher sein. Man kann sich wunderbar darüber streiten.

Das heißt natürlich, falls man jemanden findet, der eine Kunst-Auffassung hat. Das gehört nämlich nicht zum allgemeinen Repetoir der Selbstwahrnehmung, wie ich festgestellt habe. Die Meisten haben eine Meinung zu Kindern, zu Haustieren, zu Fußball, zu Fernseh-Serien und Filmen. Man kann nach der Meinung zum Wetter fragen, zu Musik im Allgemeinen und Besonderen, Mode und Filmpiraterie. Aber was Kunst sein sollte, gehört nicht dazu. Was ich höchst bedauerlich finde. Ich habe keine Meinung zu Fußball und Mode. Aber ich arbeite sehr ausgibig ab meinen Vorstellungen von Kunst und halte sie als Thema eines Smalltalkgesprächs bereit.

„Wie findest du das Wetter?“

„Ja. Verregnet.“

„Ja finde ich auch. Trist.“

„Ja.“

„Wie ist deine Auffassung von Kunst?“

Ich kann mit „schön“ nicht viel anfangen. (Außer wenn ich abends müde bin und einfach nur unterhalten werden möchte.) Wenn ich – zumindest momentan – Herzblut in ein Projekt stecke, dann möchte ich es gnadenlos. Gnadenlos heißt nicht, dass Gewalt vollständig gezeigt werden muss. Ich meide Filme, in denen es eklig wird. Ich brauche keine Bilder in meinem Kopf, wie jemand verbrennt oder die Kehle aufgeschnitten bekommt. Ich möchte ungeschönte Nähe. Wenn Menschen Sex haben, möchte ich keine weichgezeichneten Aufnahmen von seiner Hand an ihrem Bauch. (Was die amerikanische Variante ist. In einem französischen Film dagegen sah man ihn auf ihr liegen. Kein Porno, aber kein weichgekochtes Bild, nicht glattgebügelte Realität.) Ich möchte, dass der ganze Körper spielt. Ich möchte Emotionen aus tief innen. Ich möchte, dass der Schauspieler aufhört gut auszusehen. (Benedict Cumberbatch verzieht, wenn er wütend ist sein ganzes Gesicht. Fletscht die Zähne. Das mag ich.) Ich möchte, dass, wenn jemand wütend ist, Spucke von seinen Lippen tropft, obwohl das nicht ästhetisch ist, dass gegessen wird, ohne dass es nach Werbung aussieht. Mir imponiert, wenn Schauspieler sich völlig aufgeben für die Rolle. Wenn Gedanken an schön und ästhetisch verloren gehen. Wenn es keine Aneinanderreihung von Bildern der Romantik sind. Keine schönen Landschaftsaufnahmem. Ich mag Körper, die nicht Werbemaße haben.

Vielleicht möchte ich nur, dass Kunst nicht eine Fortsetzung der Fotoshop-Realität aus Werbeklips ist. Keine Welt in der alle schön und sauber und schlank und jung sind. In der alle lachen, alles sauber ist, alles rein, bis in die Poren der lächelnden Hausfrau, die nun das neue Zewa-Tuch für sich entdeckt hat.
Ich möchte überrascht werden von Darstellungen, von Schnitten (im Film) von Wortwendungen.

Bis hierhin hätte ich mich in Rage geredet. Ich würde mit meinen Händen fuchteln und Worte eindringlich betonen. Ich würde vermutlich klingen, als ginge es um Leben und Tod, um die Rettung oder Verderben. Ich würde klingen wie eine verzweifelte Liebende. Was vermutlich der Wahrheit am nächsten kommt. In diese eine von mir gefundene, und geliebte Facette im Kaleidoskop der Möglichkeiten, was Kunst sein könnte. Mit dem Wissen, dass sie weder ganz ausformuliert noch entgültig ist. Wer weiß, was ich in 10 Jahren dazu denke.

Opferbereitschaft.

Jeder sollte das Recht haben, das zu machen, was ihm Freude macht. Das Selbstbild ist ein ganz anderes, wenn man gut in etwas ist. Ich weiß das, weil ich sehr viel gemacht habe, in dem ich schlecht war. Wenn ich Dinge mache, in denen ich gut bin, ist mein Spiegelbild schöner, begabter, charmanter, klüger. Die Welt ist ein freundlicher Ort, meine Zukunft vielversprechend. Ich möchte mein Leben auf das ausrichten, was ich gut mache. Ich möchte die meiste Zeit meines Lebens schön, charmant und klug sein. Aber ich gehöre wohl in die Gruppe jener Menschen, die sich zur Kunst hingezogen fühlen. Ich schreibe Texte und drehe Filme. Damit möchte ich gerne mein Geld verdienen und abgesehen, dass das sehr utopische Träume sind, stellt sich mir die Frage, wie viel ich bereit bin dafür zu opfern. Ich bin genug Künstlern begegnet, um zu wissen, dass es kein einfaches Leben ist. Es macht Familiengründungen schwierig, kann Ehen ruinieren, bedeutet Schlüsselkinder. Und es stellt sich die Frage, wie viel ist es mir wert? Wie viele Opfer wie viele Zukunftsvorstellungen möchte ich auf dem Altar der Huldigung verbrennen?