Liebesgeständnis

– Text entstand während Hospitanz im Theater –

Ich liebe den Geruch, die Requisiten, dass man sich kostümiert und auf der Bühne in einer anderen Welt lustwandelt.

Die wichtige Frage des Tages: In welche Richtung dreht die Bühne? Wann?

Auch das liebe ich.

Jeden Tag Wiedersehen mit Schauspielern, die bereit sind, kindlich über die Bühne zu hüpfen und Figuren, die atmen und leben, ohne je existiert zu haben. Jeder hat seine Aufgabe, die er macht, für ein Projekt. Eine Illusion.

Es werden keine Leben gerettet, keine Entdeckungen gemacht. Die Menschen hier sind klug, man unterhält sich über Literatur Mensch, Gefühl. Aber ich weiß nicht, ob man abseits dieser Bretter, die die Welt bedeuten, existieren könnte.

Im ersten Rang bewundere ich das Treiben unter mir. Sehe keine Menschen, nur Menschen,. die Figuren sind, Augen die traurig und glücklich blicken werden, Herzen, die gebrochen werden. Momente, die ich wieder und wieder in den Proben erlebe, Figuren, die ich kennen und lieben lernte.

Die Luft ist geschwängert von Holz und Schminke, Farbe und dem Staub der Requisiten. Wir schmecken Wörter und Sprache. Mein Herz schlägt schneller bei gut gesetzten Pausen, kleinen Gesten, großen Gefühlen. Gäbe man mit ein Zelt und sagte, ich solle hier, zwischen den Zuschauerreihen wohnen, auf der Bühne die Welt betrachten – ich würde mich nicht beklagen.

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Ein schöner Abend – aber nicht im Kino…

Alle sind vornehm angezogen. Sie tragen Stoffhosen statt Jeans , Blusen statt T-Shirt . Haben ihre Haare frisiert, tragen Perlen in den Ohren und um den Hals. Wenn die Herren Fliegen tragen, dann auf Hochzeiten und hier. Man unterhält sich gedämpft und ich stelle mir vor, dass die Gespräche sich nicht um den missratenen Spross der Nachbarn drehen, nicht um die kranke Mutter, nicht um den Chef und den untreuen Ehemann, sondern um Musik, Bücher, Stücke, die man erst kürzlich gesehen hat oder sehen möchte. Man gibt sich gebildet und interessiert. Vielleicht ist man es auch. Gefühlt bin ich umgeben von älteren Ehepaaren, die nun Zeit und Muse haben, ins Theater zu gehen. Es riecht nach Parfum statt nach Deo. Keiner sagt: „Cool“ oder zückt sein Smartphone. (Ich packe meines auch direkt verschämt weg.) Stattdessen liest man das papierne Programmheft, spricht langsam und deutlich. Es gibt keinen Grund sich zu beeilen. Man ist an einem Ort zwischen den Zeiten, einem Unort. Hier hat man Zeit.  Man ist heraus gerissen aus der Betriebsamkeit des Straßenverkehrs, des Telefons, der schnellen Bilder.

Im Theater wirken alle freundlich. Diese Freundlichkeit ist nicht die Abwesenheit von Unfreundlichkeit, wie es sie im Kino gibt oder in Restaurants. Der Kartenverkäufer wünscht einen schönen Abend und lächelt, als hätte er das heute noch niemandem sonst gewünscht. Auch die freundliche Frau, die gut angezogen Programmhefte verkauft und aufpasst, dass ich mit der richtigen Karte durch die richtige Tür gehe, um zu meinen Plätzen zu gelangen, lächelt und wünscht mir einen schönen Abend, als habe sie diesen Glückwunsch für mich erfunden. Ich lasse mich in den weichen Sesseln nieder, die an langsamere Zeiten erinnern. An die ersten Kinos, die ersten Lokomotiven. Ich sitze auf meinen billigen aber guten Plätzen, beobachte die anderen, die ihr Plätze suchen, sich begrüßen, rieche vielleicht sogar Chanel N°5 und Kölnisch Wasser. Die Decke ist bemalt, der Vorhang auf der Bühne schwer, alles ist vornehm und voller vornehmer Menschen, die sich tuschelnd unterhalten. Ich grinse, weil die Atmosphäre so schön ist.

Dann öffnet sich der Vorhang. Mir, als Kind des 21. Jahrhunderts erscheint es fast widersinnig, dass die Menschen wirklich da sind, dass es jetzt, real passiert und dass ich es nur jetzt sehen kann, keine Möglichkeit habe, mir die DVD zu kaufen, um es in Konserve zu haben.  Ein einmaliger Moment, den die Schauspieler und ich jetzt gemeinsam haben. Es ist ganz ruhig. Keine Schnitte, keine hektischen Bewegungen, aber auch keine Langeweile.

Dann die Pause. Man trinkt teuren Sekt, um den Moment zu feiern. Man unterhält sich über Kunst. Bildet ein Bildungsbürgertum ab, dass es so längst nicht mehr gibt. Aber für diesen Abend kann man so tun als ob und sich in dieser romantischen Vorstellung sonnen, ehe man, noch immer in das Gespräch vertieft, von dem Glöckchen zurück gerufen, in den Vorstellungsraum zurückflaniert, um die zweite Hälfte zu genießen. Man genießt, lacht. Die Schauspieler spielen mit dem Raum, spielen mit ihren Kollegen und dem Publikum. Die älteren Damen neben mir toben verhalten – es sind schließlich Damen – als der Schauspieler sein Gesäß ganz unverblümt , fast anzüglich, kreisen lässt und verschmitzt ins Publikum grinst, weil er weiß, dass er das sehr gut macht: das Lächeln und das Kreisen. Ich bewundere seine Lässigkeit, seinen unverkrampften Umgang mit dem vollen Saal, als sei er ein unerschrockener Löwenbändiger. Ich muss an Kafkas  „Auf der Galerie“ denken. Das Theater ist etwas gemächlicher als Kafkas Zirkus. Aber das Publikum ist hellwach und beobachtet, lacht und klatscht.

„Verlassen Sie das Theater.“, sagt der Schauspieler auf der Bühne und sieht streng in die Reihen. „Sie bekommen das Eintrittsgeld zurückerstattet.“ An seinem Arm ein Hakenkreuz. Das Licht im Theater geht an. Der Mann auf der Bühne schaut finster in den Raum. Als sich keiner erhebt, wiederholt er seine Versprechen, seine Aufforderung. Da geht das Licht wieder aus. Wir haben uns nicht entfernt, sind stattdessen noch näher herangerückt an das Geschehen, weil er uns angesehen hat, als er sprach. Weil wir uns – wenn auch nur im Ansatz – entschieden haben, zu bleiben, sind wir nun Teil der Handlung.  Nähe, die es im Kino nicht geben kann. Dieser Abend gehört den Schauspielern und dem Publikum gleichermaßen, man verbringt ihn zusammen. Keiner lässt sich nur durch ein teures Abziehbild vertreten.

Am Ende wird es ernst und ganz still im Raum. Auch von meinen billigen Plätzen sehe ich den Ernst und die Verzweiflung in den Gesichtern. Verliere mich in ihrer Mimik und ihrem Spiel, ehe der Vorhang fällt. Altertümlich, romantisch, wie er vor 225 Jahren fiel, direkt nach der Fertigstellung des Theaters. 1789. Das Jahr der französischen Revolution. Demokratie war damals  verpönt, der Nationalismus im heutigen Sinne noch nicht erfunden. Ein Moment der Stille, als halte jeder die Luft an, erfasst von diesem erhabenen Moment.

Dann bricht der Applaus los.

 

Künstler IV

In einer Reportage über die Karl May Filme erzählte einer der Schauspieler, dass er in einer Szene in einem Kirchturm gestanden habe, während sie rechts und links die Häuser abfackelten. (Wer Karl May Filme gesehen hat, weiß, es muss immer irgendetwas brennen.) Zu ihm habe man gesagt, dass er auf dem Kirchturm völlig sicher sei, es seien ja nur die Häuser rechts und links, die angezündet werden sollten. Dann drehte aber der Wind und plötzlich kokelte die Kirche. Der Schauspieler hat das gesehen, sich aber gedacht: „Sie drehen. Ich muss aushalten.“ und er hielt die Stellung, bis er bemerkte, dass sogar der Kamera-Mann geflohen war.

Für eine Unterwasseraufnahme versenkten sie einen Glaskasten mitsamt Kameramann unter Wasser. Die Aufnahmen dauerten länger, es war kalt unter Wasser, der Kameramann wäre fast erfrohren.

Ich habe kürzlich einen Beitrag über die Karl May-Filme gesehen. Daher diese Beispiele. Aber vermutlich hat jeder Film, jedes Theaterstück, jedes Ballett solche Geschichten. Künstler brechen sich etwas und machen weiter. Man riskiert das Leben für Filme, Stücke.

Man könnte von Dummheit sprechen. Ein Film, ein Tanz, ein Stück bedeutet praktisch nichts. Es hängen keine Leben, keine Werte davon ab. Aber trotzdem wird alles riskiert, weil es ernst genommen, geliebt wird.

Ich finde es schön und frage mich, ob bei mir etwas nicht stimmt.

Künstler III

Kürzlich war ich bei der Agentur für Arbeit um mich über berufliche Möglichkeiten im Bereich Theater zu informieren. Der sehr nette Mann, der mir gegenübersaß, betonte, dass  mein Anliegen etwas exotisch sei, dass ich wenig Chancen auf Reichtum hätte und noch weniger auf einen langfristigen, festen Wohnsitz. Aber es sei ja meine Entscheidung, ich werde mich schon richtig entscheiden. (Seine Art das zu sagen, die Körperhaltung, der feste Blick, ließ keinen Zweifel daran, was in seinen Augen die „richtige Entscheidung“ war.) Meine Berufswünsche wäre ja einfacher, wenn ich beispielsweise Bürokauffrau gelernt hätte und in diesem Bereich arbeiten wolle.

Ja, dachte ich. Wenn du wüsstest, wie sehr ich mir manchmal wünsche, dass ich der Mensch wäre, der Bürokauffrau lernt und mit dem Beruf glücklich ist. So viel wäre einfacher.

Ein Smalltalkgespräch über Kunst?

Die Ballerina Beatrice Cordua sagte in einem Inerview, Kunst müsse radikal, aufrichtig, wahrhaftig und schmerzhaft sein. Für den Künstler und den Zuschauer. Kompromisslos. Die Tänzerin sorgte 1972 mit ihrer Darbietung in „Le sacre du printemps“ für einen Skandal. Sie tanzte nackt und offensichtlich so inbrünstig, dass bei der Generalprobe jemand in Ohnmacht fiel.

Ich habe den Zeitungsartikel ausgeschnitten und an meine Wand gehängt. Weil mir ihre Formulierung gefallen hat, weil ich einen Teil meiner eigenen Auffassung darin wiedererkenne.

Was Kunst sein soll und sein kann, ist sicher ein gutes Thema um einen Streit vom Zaun zu brechen. Es gibt keine klaren Festlegungen, nur Theorien, denen man zustimmen kann, oder sie ablehnen. Kunstdefinitionen wandeln sich und werden immer wieder neu definiert. In einer Diskussion kann es also kein richtig und falsch geben. Nur Positionen, die übereinstimmen, oder eben nicht. Sie können dem allgeinen Konsens ähnlicher oder unähnlicher sein. Man kann sich wunderbar darüber streiten.

Das heißt natürlich, falls man jemanden findet, der eine Kunst-Auffassung hat. Das gehört nämlich nicht zum allgemeinen Repetoir der Selbstwahrnehmung, wie ich festgestellt habe. Die Meisten haben eine Meinung zu Kindern, zu Haustieren, zu Fußball, zu Fernseh-Serien und Filmen. Man kann nach der Meinung zum Wetter fragen, zu Musik im Allgemeinen und Besonderen, Mode und Filmpiraterie. Aber was Kunst sein sollte, gehört nicht dazu. Was ich höchst bedauerlich finde. Ich habe keine Meinung zu Fußball und Mode. Aber ich arbeite sehr ausgibig ab meinen Vorstellungen von Kunst und halte sie als Thema eines Smalltalkgesprächs bereit.

„Wie findest du das Wetter?“

„Ja. Verregnet.“

„Ja finde ich auch. Trist.“

„Ja.“

„Wie ist deine Auffassung von Kunst?“

Ich kann mit „schön“ nicht viel anfangen. (Außer wenn ich abends müde bin und einfach nur unterhalten werden möchte.) Wenn ich – zumindest momentan – Herzblut in ein Projekt stecke, dann möchte ich es gnadenlos. Gnadenlos heißt nicht, dass Gewalt vollständig gezeigt werden muss. Ich meide Filme, in denen es eklig wird. Ich brauche keine Bilder in meinem Kopf, wie jemand verbrennt oder die Kehle aufgeschnitten bekommt. Ich möchte ungeschönte Nähe. Wenn Menschen Sex haben, möchte ich keine weichgezeichneten Aufnahmen von seiner Hand an ihrem Bauch. (Was die amerikanische Variante ist. In einem französischen Film dagegen sah man ihn auf ihr liegen. Kein Porno, aber kein weichgekochtes Bild, nicht glattgebügelte Realität.) Ich möchte, dass der ganze Körper spielt. Ich möchte Emotionen aus tief innen. Ich möchte, dass der Schauspieler aufhört gut auszusehen. (Benedict Cumberbatch verzieht, wenn er wütend ist sein ganzes Gesicht. Fletscht die Zähne. Das mag ich.) Ich möchte, dass, wenn jemand wütend ist, Spucke von seinen Lippen tropft, obwohl das nicht ästhetisch ist, dass gegessen wird, ohne dass es nach Werbung aussieht. Mir imponiert, wenn Schauspieler sich völlig aufgeben für die Rolle. Wenn Gedanken an schön und ästhetisch verloren gehen. Wenn es keine Aneinanderreihung von Bildern der Romantik sind. Keine schönen Landschaftsaufnahmem. Ich mag Körper, die nicht Werbemaße haben.

Vielleicht möchte ich nur, dass Kunst nicht eine Fortsetzung der Fotoshop-Realität aus Werbeklips ist. Keine Welt in der alle schön und sauber und schlank und jung sind. In der alle lachen, alles sauber ist, alles rein, bis in die Poren der lächelnden Hausfrau, die nun das neue Zewa-Tuch für sich entdeckt hat.
Ich möchte überrascht werden von Darstellungen, von Schnitten (im Film) von Wortwendungen.

Bis hierhin hätte ich mich in Rage geredet. Ich würde mit meinen Händen fuchteln und Worte eindringlich betonen. Ich würde vermutlich klingen, als ginge es um Leben und Tod, um die Rettung oder Verderben. Ich würde klingen wie eine verzweifelte Liebende. Was vermutlich der Wahrheit am nächsten kommt. In diese eine von mir gefundene, und geliebte Facette im Kaleidoskop der Möglichkeiten, was Kunst sein könnte. Mit dem Wissen, dass sie weder ganz ausformuliert noch entgültig ist. Wer weiß, was ich in 10 Jahren dazu denke.

Gedanken zu Schauspielern

Zu meinen Lieblingssschauspielern zählt Curt Goetz. Und das obwohl er nicht besonders gut aussah. Die Nase zu groß, der Mund zu klein. Das fiel mir erst relativ spät auf. Vorher war ich ganz gebannt von seiner Ausstrahlung und seinem Spiel.

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Curt Goetz als Dr. Prätorius

Ähnlich verhält es sich mit David Tennant, den ich im Moment auch sehr gerne sehe. Gefunden als Doctor Who, würde ich – bei  finanziellen Möglichkeiten -, mir eine ganze Sammlung mit Filmen mit ihm zulegen. Aber er ist keine der typischen schönen Männer, würde ich mal behaupten. Er hat aber diese charmante Darstellung und erfreut sich großer Beliebtheit.

Michael Caine und Alan Rickman entsprechen wohl ebenfalls kaum den gängigen Schönheitsidealen. Aber sie wirken. Ich finde es unglaublich faszinierend, dass sich Ausstrahlung mithilfe von Kameras einfangen lässt.

Aber wenn mich nicht alles täuscht sind die aufgeführten Schauspieler, die mir eben spontan eingefallen sind, Theateschauspieler gewesen. Sie spielen mit dem ganzen Körper. Es haftet ihrem Spiel etwas gnadelos ehrliches an. Sie spielen nicht mit leichten Kopfnicken, sie vertrauen nicht auf ihr schönes Gesicht, wie die ein oder andere Hollywooddarstellerin. Wenn sie spielen ist es wie Ballett. Es sieht einfach aus, aber gleichzeitig, wenn man hinsieht, stellt man fest, dass der ganze Körper angespannt ist. Alles ist kontrolliert.

Ich habe nur Männer aufgeführt. Weil Hollywood Männern Raum lässt, wenn sie Ausstrahlung haben. Schauspielerinnen dagegen sind meistens hübsch. Schauspielerinnen die hübsch sind aber ohne jede Ausstrahlung finden sich massenhaft. Umgekehrt wird es schwierig. Mir fielen eine Handvoll Frauen ein, die nicht mehr Schönheiten sind und trotzdem gerne gesehen werden, weil sie Ausstrahlung haben. Helen Mirren, Maggie Smith, Meryl Streep, Judi Dench…

Aber vielleicht liegt das mehr an dem amerikanischen Kino, als an dem Kino allgemein. In englischen und französischen Filmen gibt es mehr Durchschnittsgesichter mit Ausstrahlung. In Doctor Who begegnen einem beispielsweise Billie Piper und Catherine Tate. Beide haben diese gnadenlose Art zu spielen, mit vollem Einsatz, mit dem ganzen Körper.

Ich finde es schön, wenn Schauspieler\innen  Ausstrahlung haben und die Figur über die Schönheit des eigenen Gesichts hinaus verkörpern. Benedict Cumberbatch und Johnny Depp, die beide als gutaussehend gehandelt werden, haben dennoch eine gnadenlose Art zu spielen. Sie verziehen das Gesicht, bis es nicht mehr schön ist. Ich finde das ansprechend, weil in diesem Moment, wenn  Cumberbatch die Zähne fletscht und die Nase kraust, weil sich die Figur aufregt, die Rolle da ist und der Schauspieler, dem etwas daran liegen muss, gut auszusehen, weg.

Gute Schauspieler geben sich im Spiel auf. Sie werden ganz zur Rolle. Sie opfern den ganzen Körper, um eine Emotion auszudrücken.

Künstler II

Ich bin überzeugt davon, dass es zwei Typen Menschen gibt: die, die ohne Kunst leben können und die es nicht können. Ich sage nicht, dass alle, die nicht ohne können, große Künstler werden. Ich stelle nur fest, die einen können ohne und die anderen nicht.

Künstler I

In einem Interview erwiderte eine lesbische Frau auf die Frage, wann sie gemerkt habe, dass sie lesbisch sei, dass man das irgendwann einfach weiß.

Ich stelle mir vor, dass man, wenn man einen Künstler fragt, wann er gewusst habe, dass er Kunst machen möchte ebenfalls antwortet, dass man das irgendwann einfach weiß. Dass da dann so ein Gefühl sei, und man dann nicht anders könne, als närrisch zu lieben.

Gegen Schönheit

Kunst sollte nicht weich und einfach sein. Sondern die Gemüter erhitzen, sie sollte Mauern einreißen, Dinge in Frage stellen, neu und provokativ sein. Man sollte aus dem Theater kommen und sich aufregen, oder sich begeistern. Man sollte ein Buch zuschlagen und die Welt ein bisschen anders sehen. Bilder sollten und berühren und Musik uns neu definieren. Kunst, die rund ist, wie Watte kann uns nur bestätigen. Ich möchte Kunst, die wie eine „Axt (..) [ist] für das gefrorene Meer in uns.“