Im Radio gefunden

Durch meine Zeit im Unitheater hat mich die Frage, wie lange ein Autor tot ist und wann man die Stücke machen kann, ohne etwas zu bezahlen, schon beschäftigt. Vor Jahren hätte ich sehr gerne einen Curt Goetz Abend gemacht, es dann jedoch gelassen, weil es zu teuer geworden wäre.

Im Zuge der Unitheater-Erfahrungen hatte ich auch mitbekommen, wie schwierig es sein kann, Brecht zu inszenieren. Nicht nur, dass es teuer ist, auch weil man keine großen Freiheiten in der Inszenierung genießt.

Daher hat mich der Chanson sehr amüsiert.

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Prägung

Ich liebe Filme und habe in meinem bisherigen Leben einige Filme aus verschiedenen Sparten gesehen. Ich habe auch einiges an Büchern gelesen. Auch hier sehr weit gestreut. Von Twilight bis Jelinek „Die Klavierspielerin“ von Aischylos bis Hoppe war alles dabei.

Aber ich muss feststellen, dass es Dinge gibt, die mich furchtbar prägen und welche, die es nicht tun. Das lässt sich kaum bewusst entscheiden. Ich schreibe Texte oft sehr dialoglastig. Vorallem das, was ich früher geschrieben habe, liest sich fast wie ein Drehbuch. Kein Wunder. Mein Wortschatz und mein Denken ist sehr stark geprägt von Karl May. Und dessen Texte bestehen entweder aus sehr langen Beschreibungen oder sehr ausführlichen Dialogen. Alles wird ausgesprochen und diskutiert. Es gibt keine indirekte Rede und auch keine Gespräche, die  ins Leere laufen. Gespräche in der Realität verlaufen sich, Themen werden angeschnitten und später wieder aufgegriffen. Nicht bei Karl May. Wenig bei mir.

Unter dem Gesichtspunkt wäre es interessant nachzusehen wie ich in meiner Prä-Karl-May-Phase geschrieben habe. Es würde mich nicht wundern, wenn meine Helden damals keine heroischen Reden gehalten hätten.

Viele Bilder aus meinem Kopf rühren von dem Robin Hood Film mit Errol Flynn. Als Kind habe ich den Film geliebt. Heute stelle ich fest, dass ich immer wieder Bilder aus diesem Film abrufe, zum Teil unterbewusst kehre ich immer wieder in die Szenerien des Filmes zurück, wenn ich mittelalterliche Bilder entwerfe.

Obwohl ich ein großer Star Trek Fan bin und vermutlich mehr Stunden in diesem Universum zugebracht habe als in jedem anderen, habe ich nicht das Gefühl, dass es großen Einfluss auf mich genommen hat. Außer dass ich spitze Ohren toll finde vielleicht. 😉

Frühling – mal wieder eine Liebeserklärung

Der Frühling kommt. Viel zu früh. Sagen sie. Das ist die Erderwärmung. Es ist schlecht, dass es nicht kalt war. Schlecht, dass es keinen Schnee gab.  Das kann sein. Ich verstehe, dass das nicht gut ist. Aber der Frühling kommt, es riecht nach Leben, es verspricht Sommer, es ist wie fröhliche Musik in meinem Kopf, ein Tanz im Herz. Es ist absolute Lebensfreude. Ich kan nicht anders. Ich fühle mich, als habe das Leben eben erst begonnen. Als ich verliebt, in das Leben.

Ich tanze und singe und freue mich so, hier zu sein. Ich reiße die Fenster auf und schreie „Leben“ hinaus.

 

Wie einen sehr teuren Mantel…

Wenn ich nicht ich wäre, wäre ich es doch lieber. Das kam mir vor einigen Wochen, als ich feststellte, wie sehr ich mich um mein Leben beneiden würde, wenn es nicht meines wäre. (Sowas registriert man ja nicht alle Tage, weil man das, was man hat und kann als selbstverständlich hinnimmt.) Das liegt nicht unbedingt daran, dass mein Leben völlig sorgenfrei ist. Aber ich weiß wo der Schmerz liegt und der Verlust. Ich war dort. Ich habe auch diese Orte ins Herz geschlossen. Ich weiß wo Freude und Geborgenheit liegt. Und weil es meine Orte sind und ich seit über zwanzig Jahre dort verkehre, gehören sie zu mir.

Und das Restleben, die Hobbys, das Essen, meine Zukunft. Das Leben das ich führe, ist wie ein teurer Mantel, den ich trage. Er passt zu dem von Gott Gegebenen. Er kaschiert meinen Hintern und betont meine Brüse. Ich habe ihn ausgesucht, weil er mir gefällt, weil er mir und zu mir passt. Ich habe selbstständig Anstecker angesteckt und beschlossen ihn mit Kapuze zu tragen.

Er wird nicht jedem gefallen. Ich könnte andere Mäntel tragen. Aber wenn ich alles richtig mache, werden andere passen, aber ich werde mich in keinem so wohl fühlen. Weil ich mich für Mantel und Anstecker entschieden habe.

Im Moment bin ich frei. Die Uni ist fast abgeschlossen. So abgeschlossen, dass sie mich wenig stresst, aber noch so unabgeschlossen, dass ich Student bin und die Freiheiten eines Studenten genießen kann ohne die Sorgen des Erwachsenen-Menschen. Ich weiß nicht, ob ich in den ganzen Jahren des Studiums so glücklich war, wie jetzt in den letzten Monaten. Ich beginne mit meiner Masterarbeit, deren Thema mich fasziniert. Manchmal stelle ich verblüfft fest, wie hungrig ich nach Leben bin. Ich habe genug Zeit um ausgewählten Blödsinn zu machen, ohne großes Abwägen, Zeit mich um Zeitaufwendiges zu bemühen, weil ich das Gefühl habe, den starken, süßen Geschmack des puren Lebens zu genießen.

Mir geht es so gut. Und in diesen Momenten, in denen ich das regestriere, habe ich doch ein wenig Angst vor dem Abschied der Jugend.

Meine Liebe zur Irritation

Ich bin ein Freund des Absurdem. Ich liebe das Absurde Theater und  den Film „Arizona Dream“, der eine Aneinanderreihung von Groteskem ist. Nach dem dritten oder vierten Mal gucken stellte ich fest, dass ich den Film nicht sehr viel mehr verstanden habe, als bei den ersten Malen, ich mich aber kein Stück gelangweilt habe.

Ich liebe die original asdf-Videos. Wenig Sinn, viel Irritation. Ich amüsiere mich prächtig.

 

Ich glaube fast, ich brauche weniger Sinn, als die Irritation.  Stellt sich hinterher raus, dass es doch Gedanken dahinter gibt, freue ich mich doppelt. Aber das kurze Stocken, in dem das Gehörte keinen Sinn macht, macht mir am meisten Freude.

„Rollt ein Ball um die Ecke und fällt um.“

 

Selbstversuch I

Ich habe einen „Computerfreien Tag“ eingeführt. Die Idee dahinter war einfach. An normalen Tagen hänge ich den ganzen Tag vor dem Computer. Ich checke meine Mails (viel zu viel), ich organisiere meine Projekte, ich schreibe meine Hausarbeit, ich höre Musik, ich google das grade mal… Letzendlich lasse ich mich im Normalfall den ganzen Tag von meinem Rechner bespaßen. Das Problem ist, dass ich grade mal bei youtube das eine Video suche und dann feststelle , dass ich seit einer Stunde Pippi Langstrumpf gucke, oder grade mal schauen ob sich auf dem Blog was getan hat und dann lese ich Beiträge, die ich schon sehr oft gelesen habe, hauptsächlich weil es nichts mit Uni zu tun hat. Der Computer steht im Verdacht sehr viel Zeit zu beanspruchen und ich dachte, mal schauen, was ich so mache, wenn ich keinen Computer nutze.

Ergebnis: Ich lese mehr. Ich räume auf oder tippe auf meiner Schreibmaschine, bis ich einen Krampf in der Hand habe.

Grundsätzlich finde ich die Idee des Computerfreien Tag sehr gut. Vorallem weil ich feststelle, wie schwer mir das fällt. Jeden Samstag aufs Neue beginne ich mit mir zu diskutieren, ob ich ihn nicht doch anmachen könnte für das ein oder andere, dauert ja nicht lang, nur kurz… Aber ich stelle fest, es wird von Woche zu Woche einfacher. Ich stelle auch fest, dass ich unter der Woche viel weniger Zeit mit dem Rechner vertrödle. Ich lese mehr, oder höre Musik über den MP3 Player höre, statt über den Rechner und komme in vielerlei Hinsicht nicht in Versuchung.

Als würde ich Samstags neue Verhaltensweisen lernen, die ich auf die restliche Woche dann ausweiten kann.

Scheint also eine lohnenswerte Sache zu sein. So computerfreie Samstage.

Uhren

100_2581Uhren sind eine schauderhafte Sache. Sie vermitteln einem fast immer das Gefühl, dass man spät dran ist und erinnern an all die Dinge, die man hätte tun müssen oder noch tun muss. Ein Leben ohne Uhren stelle ich mir manchmal sehr schön vor. Ich stelle mir vor, man wäre völlig frei.

Schließlich klingt in dem Satz: „Um elf bin ich aufgestanden“ nach „Ich bin ein fauler Student und kann ewig schlafen.“ Der Satz „Ich bin aufgestanden, habe gefrühstückt und dann etwas für die Uni getan“, ist total wertneutral. Jeder kann sich selbst überlegen, wann das stattgefunden hat. Uhren sind Erwartungen der Anderen in unsere Wohnung getragen – manchmal. Manchmal sind sie natürlich auch sehr praktisch. Erschreckend ist dennoch, wie viele Uhren es in einem Haushalt geben kann.

Bei uns sind es – mit Handy ohne Rechnern: 6 Uhren. Auf eine Dreizimmerwohnung ist das wohl nicht schlecht.